Welche Farbe darf es denn sein?

Von Hiratsuka nach Roppongi Icchôme 六本木一丁目 ist es eine halbe Weltreise und unterwegs muss man auch ständig aufpassen, in welche Bahn man steigt. Erwischt man nämlich aus Versehen einen kakutei 各停, eine Bahn, die an jeder Station halt macht, kann man für eine bestimmte Strecke schon mal das Doppelte an geplanter Zeit brauchen. Ist mir natürlich passiert und so war ich gestern insgesamt 2.5 Stunden alleine hin unterwegs, bevor ich am Roppongi Icchôme Bürokomplex, den ich an meinem ersten Arbeitstag ja auch als allererstes aufsuchen muss, ankam *uff* Na, das wird ja was, am Montag. Da werde ich abends bestimmt einfach nur noch tot umfallen. Aber jetzt weiß ich wenigstens gleich, wo ich hin muss, auch dank der wirklich idiotensicheren Wegbeschreibung, die mir die Firma hat zukommen lassen. Unterwegs gab es sogar ein wenig Kirschblüten zu bestaunen.

So, Büro hatte ich also lokalisiert, jetzt wollte ich mein Konto eröffnen. Die von meiner Firma empfohlene Bank, shinsei ginkō 新生銀行, hat ihre Filiale aber nicht auch in Roppongi Icchôme, sondern in den Roppongi Hills. Okay, Roppongi ist Roppongi, kann ja nicht so schwer sein, da hinzukommen, richtig? FALSCH! Wahrscheinlich wäre ich zu Fuß sogar schneller gewesen als mit der Bahn, wo ich nochmal umsteigen und einen ewig weiten Verbindungstunnel ablaufen musste, aber hinterher ist man ja immer schlauer.

Ich würde generell jedem Ausländer, der ein Konto eröffnen will, eine Bank in einer Großstadt empfehlen. Dort macht es dann kaum einen Unterschied, für welche Bank ihr euch entscheidet, aber versucht das mal bei der gleichen Bank in einer Filiale, die etwas dörflicher liegt.

Von dem, was ich bisher so über die shinsei ginkō weiß, kann ich sie übrigens guten Gewissens weiterempfehlen. Die Kontoeröffnung ging in weniger als 20 Minuten vonstatten und anders als bei der Mitsui Sumitomo ginkō 三井住友銀行, bei der ich mein Konto hatte als ich Austauschstudent an der Keiō war, musste ich auch keine Fragen darüber beantworten, wie viel Geld pro Monat draufkommen und wieder abgehen wird. Ich dachte erst, japanische Banken würden solche Auskünfte immer haben wollen, aber da habe ich mich wohl geirrt. Desweiteren laufen die meisten Transaktionen bei japanischen Banken noch über ein tsūchō 通帳, ein Kontobuch, ab, die shinsei ist da aber etwas 2013-03-29 11.59.54moderner und bietet Internetbanking! Super! Meine EC-Karte durfte ich auch sofort in Empfang nehmen, sollte ich mich aus ihrem Katalog aus 32 (!!!) Farbmöglichkeiten für eine entscheiden, die sofort zur Verfügung stand. Es gab Farben wie „Strohhut“ und „Mitternacht“, ich entschied mich für was fliederfarbenes, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe. Eine EC-Karte in der Lieblingsfarbe, das bringt auch nur wieder eine japanische Bank zustande XD Und da fühlt sich die Berliner Sparkasse schon toll mit ihren 3 Farben 😛

Das Allerwichtigste überhaupt: KOSTENLOSES Abholen an shinsei ginkō UND 7/11-, Postbank- sowie Family Markt-ATMs. 24 STUNDEN! Ihr lacht? Tja, in good old Germany mag man den Luxus ja gewohnt sein, aber bei Keis Bank z.B. sind nur Abholungen zwischen 9 Uhr und 17 Uhr unter der Woche kostenlos. Und dann arbeite mal von 8.30 Uhr bis 18.30 Uhr und schon bezahlst du für jede Transaktion rund 2 €! Außerhalb der genannten Zeiten sind auch Überweisungen kostenpflichtig und kosten etwa genauso viel O.o Demenstprechend gehört der Service der shinsei ginkô schon mit in die obere Liga!

Nach der Kontoeröffnung und all den Erklärungen war ich ganz schön fertig und hungrig. Aber irgendwie hatte ich wohl vergessen, wo ich war. Roppongi Hills und ich mir was zu essen kaufen? Bahahaha XD Fancy Restaurant reiht sich hier an fancy Restaurant und konbinis findet man innerhalb des Komplexes auch nicht. Also Rückweg angetreten und unterwegs was gekauft. Ich war dann auch froh, als ich nach weiteren 2 1/2 Stunden wieder Zuhause war. Wer hätte gedacht, dass Bahnfahren und eine Kontoeröffnung so anstrengend sein können?

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2 Antworten zu Welche Farbe darf es denn sein?

  1. Tabea schreibt:

    Oh, vielleicht sollte ich doch mal über einen Wechsel von der Yokohama Ginko nachdenken…? Hört sich echt nach super Service an!

    • nagarazoku schreibt:

      Ja, also bisher bin ich sehr zufrieden! Gerade mit der Vielfalt an Abholmöglichkeiten (*^^*) Einen SevenEleven gibt es fast überall, einen Mitsui Sumitomo-Automaten habe ich damals sehr oft vergeblich gesucht -.-

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