Nach 2 Jahren wieder Kei in Deutschland

Die Woche mit Kei war so schnell um, ich könnte schwören, es waren nicht mehr als 2 Tage, die er hier bei mir in Deutschland war. Dann haben wir aber in der einen Woche wieder doch so viel unternommen, dass sie mir im Nachhinein vorkommt wie 2 Wochen.

Zum Beispiel waren wir gleich am Tag nach Keis Ankunft – der Flug verlief übrigens mit British Airways komplett ohne Probleme – auf dem Weihnachtsmarkt. Obwohl ich es mir so fest vorgenommen hatte, habe ich es durch diverse Krankheitsfälle in der Familie vor Weihnachten leider doch nicht geschafft, einen Weihnachtsmarkt zu besuchen. Aber da sich Berlin ja inzwischen zur Touristenhochburg gemausert hat, hatten einige Märkte sogar bis zum 31.12. geöffnet, aber auch der Rest weit bis nach Weihnachten. Wir entschieden uns für den Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt, denn ein bisschen Atmosphäre darf nach Weihnachten trotzdem noch sein:

Das Wetter war zwar nicht besonders weihnachtlich, aber ich muss sagen, dass ich absolut kein Problem damit hatte, mich auf einem Weihnachtsmarkt mal nicht totzufrieren. Egal ob in den Zelten oder draußen an den Ständen, es war angenehm und mir haben vor Kälte nicht die Hände wehgetan, als ich mich an all den köstlichen Dingen, die es da so gab, vergriffen habe *nom nom nom* Und für Kei war es eine Möglichkeit, relativ früh ein paar richtig tolle Mitbringsel für die Daheimgebliebenen zu kaufen.

Am Sonntag wollte ich Kei dann mal zeigen, was man für den gleichen Preis, den wir in Japan für unsere 50 m² bezahlen, hier in Berlin so mieten kann, und wir verabredeten uns mit meiner Schwester in ihrer Wohnung. Vorher haben wir noch einen Spaziergang im Erholungspark Marzahn unternommen, der alles in allem zwar etwas enttäuschend war, aber wenn man nur so wenig Zeit miteinander hat, versucht man eh, alles extra doll zu genießen. Aber ich muss doch sagen: Auch wenn ihr nur 2 statt der üblichen 3 € nehmt, ist das immer noch zu viel, wenn 90% der gesamten Anlage gesperrt sind. Von den Gärten waren nur der chinesische und der balinesische Garten zugänglich, wobei der erste umgebaut und der zweite hoffnungslos überlaufen war. Ich kann auch gar nicht nachvollziehen, warum der japanische, koreanische, christliche, orientalische usw. usf. Garten alle keinen Zutritt gewährten. Bei Schnee und Eis mag das Sinn machen, aber wir hatten + 10°C! Ein bisschen mehr Flexibilität würde den Gärten der Welt bestimmt gut tun, denn so waren viele Besucher da, aber weder Gärten noch auch nur das kleinste Café geöffnet und viele zogen nach nicht einmal einer Stunde schon wieder ab. Wir auch. Auch wenn die Luft schön, der Spaziergang wohltuend und ein paar Fotomöglichkeiten vorhanden waren, standen bei meiner Schwester immerhin Pizza, Rotwein und Monopoly bereit 😀

Monopoly gibt es übrigens inzwischen mit EC-Karten O.o Der Startbetrag wird draufgeladen und ab dann wird alles Geld drauf-, ab- oder auf die Karte eines Mitspielers gebucht. Ich hatte zwar weniger Übersicht über meine Gesamtfinanzen, aber der Monopolywust hat sich gleich mal halbiert und machte Platz auf unserem Tisch für drei Wagenräder: „Pizza Hot Dog“, „Pizza Currywurst“ und eine normale „Pizza Magherita“. „Pizza Hot Dog“ ist übrigens meine große Empfehlung an euch, und wenn ihr euch dann mal getraut habt, dürft ihr mir bis in alle Ewigkeit dankbar sein 😛

Ja, und dann stand auch schon Silvester vor der Tür. Für Kei nicht das erste Silvester in Deutschland, aber das erste mit meiner Familie. Es war laut, bunt, lang und vor allem laut, aber ich glaube, es hat ihm ganz gut gefallen. Im Vergleich dazu wirkt der japanische Silvesterabend ja doch sehr unspektakulär – man schaut zusammen „kohaku“ oder irgendwas mit der Band Arashi, futtert, hört den 108 Glockenschlägen zu und geht dann ins Bett, wenn es bei uns erst richtig losgeht. Und auch wenn ich den japanischen Silverabend sehr zu schätzen gelernt habe, muss ich sagen, dass, wenn ich in Japan bin, ich mich zu deutscher Zeit 00.00 am 31.12. doch sehr gerne mit dem IPhone und Skype mit nach draußen nehmen lasse und meiner Familie beim Knallen zuschaue. Irgendwie habe ich erst dann richtig das Gefühl, im neuen Jahr angekommen zu sein. Über 25 Jahre gelebte Traditionen brennen sich halt ein, und so habe ich sie dieses Mal auch alle genossen: Pfannkuchen, Tischknaller, Mamas Kartoffelsalat, Feuerwerk vor der Tür, klein und groß, „Ein Herz und eine Seele – Der Silvesterpunsch“, Bleigießen, Würfeln, „Dinner for One“, Anstoßen um Mitternacht und dann die riesengroße Knallerei zeitgleich mit allen auf der Straße.

Am nächsten Tag wollten wir dann ganz schlau sein: Obwohl 01.01. war, ganz früh raus und in eines der Museen, die sonst immer so unglaublich überfüllt sind. Am Tag nach Silvester würde schon keiner gehen, … dachten wird. Meterlange Schlangen und Wartezeiten von mehreren Stunden erwarteten uns jedoch, und da wir wenig ambitioniert waren, unsere kostbare Zeit mit Warten zu verbringen, entschieden wir uns dann doch für den Berliner Dom.

Auf der obersten Plattform vom Berliner Dom war es dann doch recht kühl und wir wollten uns in einem leckeren Restaurant aufwärmen gehen. Wie viele Restaurants an diesem Tag geschlossen hatten, überraschte uns dann doch ordentlich O.o

Kei und ich hatten vor seiner Ankunft diskutiert, ob wir noch einmal einen Tagesausflug in eine andere Stadt unternehmen wollten, was aber im Vorfeld von mir vehement abgelehnt wurde. Im Winter mit der Bahn durchs Land? Ich bin doch nicht wahnsinnig! Aber nun fiel der Winter zumindest in der Zeit, in der Kei da war, sehr milde aus und so buchte ich ganz spontan zwei Bahntickets nach Leipzig. 50 € hin und zurück für zwei Personen, da kann man nicht meckern, auch wenn das Bahnpersonal gerne freundlicher und der Komfort in den Bahnen gerne einheitlich sein darf. Die eine Bahn ein Hühnerwagon, die nächste fast schon Luxus mit Steckplätzen für Laptops – so konnte ich ein wenig an meinem Projekt weiterarbeiten, was wieder zu meiner nervlichen Ruhe beitrug – und Getränkeautomaten. Hinfahrt 2 Stunden, Rückfahrt 3 (WARUM???) und der Rest Spaß in Leipzig!

Leipzig ist für einen Tagesausflug die ideale Stadt! Man kann ohne Plan hinfahren, die Innenstadt befindet sich eine Fußminute vom Hauptbahnhof entfernt und man kann sich einfach von interessant aussehendem Gebäude zu interessant aussehendem Gebäude hangeln. Es gibt viele schöne historische Gebäude zu sehen, besonders viele Kirchen, in denen der Eintritt dann auch frei ist, aber auch moderne Bauten, die einen Blick wert sind. Bei schlechtem Wetter gibt es genug Rückzugsmöglichkeiten wie Einkaufspassagen, die meist historischen Bezug haben und teilweise wirklich unglaublich schön sind, oder auch eines der vielen Restaurants oder Cafés, die auch noch absolut bezahlbar sind. Kei und ich haben uns auch die Uni Leipzig angesehen – also zumindest das Hauptgebäude. Denn ich hatte damals ja u.a. auch eine Zusage der Japanologie der Uni Leipzig und es war wirklich interessiert, wo es mich hinverschlagen hätte, hätte ich mich damals gegen die HU entschieden.

Worauf ich mich persönlich am meisten gefreut habe: Den Auerbachs Keller! Ja, besonders wegen Goethes „Faust“ und alle, die erzählen, sie seien aus einem anderen Grund hingegangen, lügen 😛

Ich war dann doch überrascht, wie schick es im Auerbachs Keller zuging – ich hatte es mir etwas kleiner und rustikaler vorgestellt. Immerhin ist es in „Faust“ ja ein Lokal für Studenten, wenn ich es richtig im Kopf habe. Aber der Service war dementsprechend auch über die Maßen fantastisch – ich habe noch Tage danach davon geschwärmt. Ich habe auch noch nie Kei so viel Trinkgeld geben sehen (7 € hat er rausspringen lassen!), und das, wo Kei Trinkgeld HASST. Das spricht also schon für sich. Die Preise waren natürlich dementsprechend hoch, aber man gönnt sich ja sonst nichts und wir haben uns nicht groß zurückgehalten. Wer weiß, wann man das nächste Mal wieder Chance hat und ein bisschen Luxus darf ab und an sein 😉 Fantastischer Service, köstliches Essen, leckere Weine und ein Klientel, das sich sogar mit Kindern absolut benehmen konnte, und trotzdem kein Dresscode, da das Restaurant ja eher auf Touristen abzielt. Sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen, wenn man mal in Leipzig ist!

Und nach einem Freitag, an dem wir es dann eher ruhig haben angehen lassen, war die Woche auch schon wieder vorbei 😦 Samstag früh ging der Flieger zurück, damit Kei den Sonntag noch ein wenig zum Bekämpfen des Jetlags hatte. Brauchte der Schweinehund aber nicht, er wurde aus uns unbekannten, aber nicht weiter hinterfragten Gründen von Economy auf Business hochgestuft, und bei einem komplett zur Liege ausfahrbaren Sitz, mehreren Weinsorten zu Auswahl und zum Frühstück einem Obstteller ließ sich der Flug wohl ganz fantastisch ertragen 😛 Mann, so viel Glück hätte ich auch mal gerne! o(>.<)o

Dieser Beitrag wurde unter Auf Tour durch Deutschland, In Berlin veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Nach 2 Jahren wieder Kei in Deutschland

  1. Tabea schreibt:

    Das mit der Businessklasse ist ja echt der Wahnsinn! Will auch!

    Und hey, es ist immer wieder schön, euch zusammen auf Photos zu sehen. ^^

    • nagarazoku schreibt:

      Kihi, vielen Dank (*^.^*)

      Ich würde auch mal zu gerne aufgebucht werden!!! Ich fliege doch so oft, warum werde ich dafür nicht belohnt 😛 Mir ist letztens auch erst aufgefallen, dass ich vor langer Zeit mal hätte anfangen sollen, Miles&More zu sammeln. Inzwischen wäre bestimmt ein Gratisflug zusammen gekommen -.-

  2. Pingback: Keis Jahresendurlaub in Berlin, die Zweite | Ein Nagarazoku in Berlin

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s