Der erste Schock

Was meint ihr, was mich nach 4 Monaten zurück in unserer gemeinsamen Wohnung als Erstes begrüßte? Der Hamster? Nein, der pennte seelenruhig bis in die späten Abendstunden, bevor er sich das erste Mal zeigte und war auch wenig beeindruckt von meiner Rückkehr. Schimmel! Im Schuhschrank! Schimmel an meinen heißgeliebten Schuhen! Wie absolut widerlich! Ich bin fast aus allen Wolken gefallen! Obwohl es leider in Japan wohl nichts Ungewöhnliches ist …

Unsere Schuhe stehen, wie in jedem normalen Haushalt, im Schuhschrank vorne im Eingangsbereich, also dem Teil der Wohnung, der der todbringenden Luft aus 1% Sauerstoff und 99% Wasser draußen am nächsten ist. Wahrscheinlich war es nur eine Frage der Zeit bis sich ein Schimmelpilz auf oder in einem der Schuhe ausbreitet. Und zum Glück war der Pilz nur direkt auf dem Material und ließ sich mit Alkohol ganz leicht entfernen. Trotzdem hätte ich mir als Begrüßung schon gerne etwas anderes gewünscht. Aber so sind sie, die japanischen Wohnungen: Getrennt von der Luft draußen ist man nur durch ein Stück Papier, wodurch man im Winter wie im Sommer auf die Klimaanlage angewiesen ist, während die Räume, die über einen solchen Luxus nicht verfügen, Wind und Wetter ausgesetzt sind. Was uns in der Küche durch die hohe Luftfeuchte so alles an Lebensmitteln innerhalb von wenigen Tagen anschimmelt, will ich lieber gar nicht erwähnen. Aber die Küche verfügt nicht einmal über eine Vorrichtung, an der man eine Klimaanlage anbringen KÖNNTE, und ich kann mit unserer Wohnzimmerklimaanlage nicht einfach mal so drei Räume kühlen. Und auch die Schuhe können nirgendwo anders hin, als in den Schuhschrank im Eingangsbereich. Unsere Wohnung ist zu klein für Kinkerlitzchen wie ein Schuhschrank im Wohnzimmer. So haben wir also Luftentfeuchter im Schuhschrank und in allen Schränken in der Küche aufgestellt und hoffen, dass uns neuer Schuhschimmel erspart bleibt. Zum Glück sind meine Klamotten bisher schimmelfrei geblieben …

Im Prinzip weiß ich ja, warum die japanischen Häuser so gebaut sind, wie sie es sind: Erdbebensicherheit. Wird zumindest immer als Grund angebeben. Und angeblich wäre das Schimmelproblem sogar noch schlimmer, wären die Häuser zu gut isoliert, so heißt es. Aber es ist beizeiten doch sehr umständlich mit all den „Nebenwirkungen“ zurechtzukommen. Besonders, wenn man es aus Deutschland gewohnt ist, sich im Höchstfall mal um ein Duftsäckchen für den Kleiderschrank kümmern zu müssen. Aber hier haben wir jetzt in jedem Schrank neben den obligatorischen Duftsäckchen einen Luftentfeuchter stehen und werden die Schränke trotzdem regelmäßig ausräumen und auslüften müssen.

Im Winter sieht die Sache dann schon wieder ganz anders aus. Da stellen wir dank der staubtrockenen Luft in Wohn- und Schlafzimmer extra Luftbefeuchter auf – ja, ihr bemerkt die Ironie, oder? Und über die „Freuden“ im Winter die Wohnung warm zu halten, hatte ich ja bereits berichtet.

Was ich mit diesem Post eigentlich sagen will: Manchmal ist echt unpraktisch hier!

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2 Antworten zu Der erste Schock

  1. Nori schreibt:

    Vielleicht hilft es, wenn ihr die Schuhschränke einmal wöchentlich oder alle zwei Wochen ausräumt und mit Essig auswischt. Das Zeug tötet alles, woraus sich Schimmel bilden kann, und ist billiger als Spezialreiniger….. oh, warte. Japan. Vermutlich ist es als europäische Spezialität dreimal so teuer……

    Das mit den Wohnungen ist mir auch echt nicht klar. Früher, ja. Da brauchte man die luftdurchlässigen, dünnen Wände, damit einem im Sommer nicht alles wegschimmelt und man alle Wände rausnehmen und die Luft durchziehen lassen kann, weil es in der Hitze sonst nicht auszuhalten gewesen wäre.
    Aber heute wird das alles sowieso mit Klimaanlage gemacht, und anders geht es auch nicht. Warum also nicht gleich erdbebensicher schwingend aufbauen, aber aus anständigem Stein machen, so dass das richtige stabile Häuser werden?
    Ich bin ja kein Bauingenieur, aber sowas muss doch gehen!

    • nagarazoku schreibt:

      Mit Essig reinigen ist eine super Idee und den gibt es unter „酢“ sogar halbwegs günstig, das könnte man alle zwei Wochen machen! Danke, daran habe ich gar nicht gedacht!

      Ja, in Japan ist dieser „Das haben wir schon immer so gemacht“-Gedanke einfach zu stark verwurzelt. Dann baut man die Häuser auch noch so wie damals in der Edo-Zeit. Die eigenen vier Wände scheinen bei vielen auf der Prioritätenliste aber irgendwie auch so ganz weit unten zu rangieren.

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