Die Frisuren machen den Unterschied(?)

Seit meiner Rückkehr aus Japan bin ich mehr als sonst auf meinen Ausweis angewiesen. Warum? Neuerdings muss ich bei jedem bisschen Alkohol, das ich käuflich erwerben will, mit selbigem die Legalität meiner Handlung nachweisen. Und mit jedem bisschen Alkohol meine ich solch seichte Freuden wie Bier und Alkohol. Der absolut verstörte Blick der betreffenden Verkäufer, die meinem Ausweis dann entnehmen dürfen, dass ich seit 12 Jahren nicht mehr 15 Jahre alt bin, verrät mir, dass hier vielleicht auch die Androhung von Testkäufern durch die Leitung des Kaufhauses zu einer verstärkten Kontrolle der Ausweise geführt hat, man mich aber wahrscheinlich trotzdem nach selbigem gefragt hätte, auch ohne vorherige Drohnungen – drei prüfende Blicke ob der Übereinstimmung zwischen Ausweisphoto und meinem Gesicht dürften das genügend bestätigen.

Aber woran liegt es? An den doch legeren Jeans und T-Shirt-Outfits, in denen ich meine Einkäufe bestreite? An meinem feschen Rucksack? An einer erstaunlich faltenfrei gebliebenen Haut? 😛 Daran, dass mein Make-up vielleicht nicht immer von der seriösesten Art ist, wenn der weiteste Weg für diesen Tag nur das Kaufland ist und Farben ausprobieren am betreffenden Morgen einfach zu viel Spaß gemacht hat? *dumdidumdidum* Gut, aber das war alles auch schon vor meinem letzten Aufenthalt in Japan so. Damals musste ich jedoch nie noch einmal nach Hause gehen und meinen Ausweis holen, da man mir sonst den Kauf einer kleinen Flasche Rotkäppchen-Sekt verwehrte. Jedoch das Einzige, das sich seit Japan an meinem Aussehen verändert hat, ist meine Frisur.

Ich hatte mir schon vor Japan einen Pony schneiden lassen – oder besser gesagt, die Friseurin nahm nach meiner Äußerung, ich würde mir überlegen, ob ich gerne wieder mal einen Pony hätte, einfach die Schere und verpasste mir einen. Der war aber damals noch recht fransig und dünn. Erst seit einem Besuch bei meinem Friseur in Japan ziert mein Haupt die typische Japanerinnenfrisur, wie ich es gerne ausdrücken tue: voller, gerader Pony und lange, leicht durchgestufte Haare. Ja, so wie das Schuluniformen-Mädchen aus Kill Bill 😉

Und wo ich vorher schon oft gesagt bekam, dass ich ja „schon irgendwie japanisch wirken würde“ – was sich ausschließlich darauf bezog, dass ich dunkle Haare und braune Augen habe und ich damit auch irgendwie griechisch, italienisch und ägyptisch wirken müsste 😛 – bin ich seit meinem Friseurbesuch in Japan sogar mehrmals für eine Japanerin (wahrscheinlich, wenn man mein Gesicht nicht gleich gesehen hat) oder hāfu gehalten worden O_o Erneut brachte ich einen älteren Herren, der mich für eine Japanerin hielt, zur Flucht, als ich mich umdrehte und er mein gaijin-Gesicht aus der Nähe betrachten durfte.

Mich kleidet also die typische Frisur der Durchschnittsjapanerin und neuerdings muss ich nun in Deutschland beim Bierkaufen (!) meinen Ausweis mehr als skeptisch dreinschauenden Verkäufern präsentieren, die alle mit den Worten schließen: „Ich hätte nie gedacht, dass Sie schon über 20 bin!“ Gebt mir mal noch ein paar Jahre, dann bin ich über 30 😛

Und hier also meine Überlegung: Sind es vielleicht gerade diese Frisuren, die den Europäer Japanerinnen oft für so viel jünger einschätzen lassen, als sie es sind? Man hört ja immer, wie schwer es sei, das Alter von Japanern richtig zu schätzen und dass diese immer so viel jünger aussehen würden, als sie es eigentlich sind. Liegt das Geheimnis im Fall der Japanerin dann vielleicht nicht in den vielen Cremes, der rigorosen Vermeidung von Sonne und ihren Schminkkünsten, sondern einfach nur in der Art und Weise, wie sie ihre Haare zu tragen pflegen? Und sicher kommen die nahezu Faltenfreiheit, die fließende Kleidung, das kawaii-Getue UND die Schminkkünste als weitere Faktoren hinzu 😛

Es ist zumindest eine Überlegung wert 😉

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Eine Antwort zu Die Frisuren machen den Unterschied(?)

  1. Julia schreibt:

    Haha, ich habe genau die gleichen Probleme wie du! (Übrigens hat mich in Tokyo sogar mal ne Omi nach dem Weg gefragt. Da war ich aber happy. xD) Ich vermute sogar irgendwie, dass ich bei meinem DAAD-Interview letztes Jahr durchgefallen bin, weil der japanische Interviewer dachte, für ne Haafu ist mein Japanisch aber schlecht. Nee, Spaß. Wobei…
    Aber in Berlin ist dieses „kann ich DIR helfen?“ in Läden schon sehr ärgerlich…

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