[Über Berlin] Die Deutsche Bahn und Ich: Ein Hassroman in unendlich vielen Akten

Ich erinnere mich an den legendären Winter vor 3 Jahren, als sich all die an Reparaturen und Wartungen gesparten Euros bitterböse an der Deutschen Bahn rächten und sich in Berlin ein S-Bahn-Chaos der besonders Art ausbreitete. Wartezeiten von 20 Minuten pro Zug wurden als Normalität erachtet und der Umstieg auf ausschließlich U-Bahn hin zu meiner Uni fiel mir in Anbetracht der Kälte, in der ich sonst auf die S-Bahn hätte warten müssen, nicht schwer, auch wenn der Weg nun 20 Minuten länger dauerte.

Welche Ausrede die Deutsche Bahn dieses Jahr auf Lager hat, weiß ich nicht, aber was die Bahnen in der letzten Zeit wieder einmal veranstalten, erinnert mich doch immer mehr an das oben beschrieben Szenario. Die letzten Wochen bin ich immer 20 Minuten früher losgefahren, als ich müsste, und bin trotzdem fast jeden Tag knapper als knapp am Ziel meiner Bestimmung angekommen. Aber gehen wir doch einfach mal die letzte Woche durch:

Sa, 16.06.: Ich war auf dem Rückweg von Rathaus Steglitz nach Hause. Die S1 hatte 10 Minuten Verspätung und die Ringbahn fuhr nicht zwischen Ostkreuz und Greifswalder Str., so dass ich mich mit dem Ersatzverkehr bis zur Frankfurter Allee vorkämpfen musste, nur um dort festzustellen, dass nun auch die BVG in der gemeinen Intrige der Deutschen Bahn mitsponn und mich einfach hängen bzw. stehen ließ. Totalausfall! Zum Glück war mein Papa in Lichtenberg zur Autoreparatur und sammelte mich auf dem Rückweg auf -.-‚

Mo, 18.06.: Nicht nur, dass ich bis 20 Uhr Kolloquium hatte und damit sowieso schon sehr spät nach Hause komme, nein, die Ringbahn S42 fiel natürlich aus, und zwar komplett, so dass ich die S41 nehmen musste, was gleich mal das Doppelte an Zeit braucht: 40 statt 20 Minuten! Da aber auch schon die S1 nicht so wollte, wie ich, war ich statt 21.30 Uhr erst 22.30 Uhr Zuhause. Und niemand gibt mir diese verschwendete Zeit zurück!!!

Di, 19.06.: Ich war mit einer Freundin in der Bibliothek zum Lernen verabredet und ahnte nichts Böses, denn die Stadtbahn fällt normalerweise nicht aus … dachte ich. 15 Minuten standen wir ohne Durchsage zwischen Ostbahnhof und was-weiß-ich auf dem Abstellgleis und es bewegte sich nichts! Irgendwann kam die Durchsage: Wegen eines Polizeieinsatzes würde man erstmal eine Weile feststecken. 30 Minuten insgesamt dauerte der „Spaß“. Zum Glück hatte meine Freundin das gleiche Problem und kam auch erst kurz vor mir am Treffpunkt an -.-‚

Do, 21.06.: Ich war zum Geburtstagskaffee in Steglitz eingeladen. Im Anschluss braucht ich rund 2 1/2h nach Hause. Wieder, weil die S1 Verspätung hatte, wieder, weil die S42 ausfiel und ich mit der S41 das Doppelte an Zeit hinlegen mussten. Und keine Erklärung, warum. Keine Entschuldigung. Ich wollte nur noch kotzen. Aber ist ja nicht so, als hätte ich noch wichtige Sachen zu erledigen, wenn ich nach Hause komme. Verschwendet ruhig meine Zeit!

Fr, 22.06.: Die 10 min Verspätung der S1 an diesem Tag erscheinen ja schon fast wie Korinthenkackerei im Vergleich zu den anderen Tagen …

Mo, 25.06.: Ich kam am Morgen an meinem U-Bahnhof an, nur um meine Bahn wegfahren zu sehen. „Macht nix!“, dachte ich mir, „Die kommt ja alle 5 Minuten!“ Die nächste Bahn kam 15 Minuten später und brauchte für die Strecke bis Frankfurter Allee 25 Minuten – normalerweise ist man hier keine 11 Minuten unterwegs. Aber wenn man auch alle paar Schritte auf dem Gleis stehen bleibt, kann das schon mal vorkommen. Natürlich keine Durchsage! Am Gleis der Ringbahn angekommen, verriet mir die Anzeige, dass die nächste Ringbahn nur bis Ostkreuz fahren würde, die darauf hatte 10 Minuten Verspätung. Unregelmäßigkeiten im Betriebsablauf, alles klar. Als die Bahn dann endlich kam, platzte sie verständlicherweise aus allen Nähten und an jeder Station herrschte so viel Chaos, dass hier fürs Ein- und Aussteigen auch immer noch einmal extra Zeit ins Land floss. Die S 1 hatte dann auch 10 Minten Verspätung – ich wollte überrascht tun, aber es ging nicht mehr – und dann fiel die S1 vor uns auch noch aus, so dass unsere Bahn auf der Gegenspur umgeleitet werden musste. Alles in allem kam ich mit Rennen „nur“ 5 Minuten zu spät zur Uni – ich war aber Morgens so losgelaufen, dass ich mindestens 20 Minuten zu früh hätte ankommen müssen, denn eigentlich wollte ich mir in der Mensa nämlich noch einen Kaffee kaufen. Tja, Satz mit x usw.

Was ist mit den 4 Tagen in diesem Zeitraum, die hier keine Erwähnung gefunden haben? An all diesen Tagen war ich mit der Bahn nicht unterwegs. Ich hatte diese Woche also eine 100%ige Trefferquote von der Deutschen Bahn und auch der BVG irgendwo stehen gelassen zu werden – im Normalfall ohne Erklärung oder nur mit ihren Standardsprüchen von wegen „Unregelmäßigkeiten im Betriebsablauf“. You don’t say! Ich würde inzwischen jedes Mal am liebsten einfach nur losschreien und jemandem wehtun – egal ob dran Schuld oder nicht! Man kann sich auf die Bahn nicht mehr verlassen! Ich muss IMMER weitaus früher losfahren als ich normalerweise an Zeit brauchen würde, just in case. Und das macht den Tag ganz schön anstrengend, wenn man sowieso alleine hin zur Uni schon 1 1/2 Stunden braucht! Ich habe schon gar keinen Bock mehr irgendwo hinzufahren, denn ich muss immer davon ausgehen, dass mit der Bahn was sein wird – und behalte immer Recht. Aber das macht die Sache nicht besser, mich nur wütender. Und niemand scheint sich für eine Entschuldigung verantwortlich zu sehen. Aber warum auch, was?

Ich mag die Zeit gar nicht zusammenrechnen, die ich so bereits mit Warten oder umgeleitet werden oder Andersherumfahren (bei der Ringbahn) verschwendet habe, es wäre zu frustrierend. Vor 3 Jahren gab es für die Kunden eine kleine Rückzahlung eines Teils ihrers Monats- oder Studententickets, aber da die Deutsche Bahn ja inzwischen lieber Gerüchte über Anschläge verbreitet, anstatt erstmal zu schauen, ob ihre Strombucksen inzwischen nicht auch schon wieder so sehr veraltet sind, dass sie einfach explodieren, sind wir davon derzeit sicher mehr als weit entfernt. Und dabei könnte ich mir beim Warten von einer Rückzahlung zumindest ein Eis oder einen Kaffee kaufen und mir selbiges erträglicher machen. Aber man hört mich vielleicht einfach zu gerne schimpfen und mit der Durchsage diskutieren.

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2 Antworten zu [Über Berlin] Die Deutsche Bahn und Ich: Ein Hassroman in unendlich vielen Akten

  1. Tabea schreibt:

    Ich weiß, dass es dir JETZT nichts nützt, aber in 6 Wochen bist du wieder im „3 Minuten Verspätung = ご迷惑をおかけしまして、申し訳ございません!“-Land. Halt durch!!

    • nagarazoku schreibt:

      Ich möchte hinzufügen: Ins Land der saufkopffreien Bahnen! Ins Land der motzverkäuferfreien Bahnen. Das Land, in dem niemand seinen Hund auf die Sitzplätze hebt! Das Land, in dem man noch aus dem Zug aussteigt, wenn man sein brüllendes Baby nicht beruhigt bekommt! Das Land, in dem ich mit einem Goldbarren auf dem Schoß im Zug einpennen könnte, und niemand würde ihn mir wegnehmen! Oh ja, ich freue mich auf Bahnfahren in Japan o(^^)o

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