[Unterwegs] In America!

In unseren Seminaren über japanische Außenpolitik standen die Beziehungen zwischen Japan und den USA natürlich immer in einem besonderen Fokus. Eine amerikanische Base mitten in einer japanischen Stadt nach mehr als 67 Jahre nach Kriegsende mit eigenen Augen zu sehen, ist dann aber immer doch noch mal was anderes. Dachten Ronja und ich uns so.

Eine solche Base gibt es in der Stadt Yokosuka 横須賀, etwa 30 Minuten Bahnfahrt von Ōfuna 大船 entfernt.

Hingefahren sind Ronja und ich vor allem um uns das Kriegsschiff Mikasa 三笠 aus dem 1. Weltkrieg anzusehen, und eigentlich stand auch die Affeninsel sarushima 猿島 auf dem Plan, aber die teure Überfahrt wollten wir uns bei DEM bescheidenen Wetter dann doch nicht geben.

Gleich am Bahnhof lernten wir erst einmal, dass Yokosuka die „Curry-Stadt“ ist:

Warum auch immer XD

Das Wetter war, wie gesagt, bescheiden, aber davon ließen wir uns nicht abschrecken. Auf, auf, zum Schiff! Wir durchlatschten den Park gleich hinter dem Bahnhof, entlang am Hafen, in dessen Gewässern Militärschiffe und U-Boote ankerten.

Das Wasser war an einigen Stellen wirklich wahnsinnig dreckig O_o Aber wir liefen unbeirrt weiter. Vorbei (und natürlich auch einmal durch) an einem Kaufhaus und dann standen wir vor verschlossenen Türen. Ein Maschendrahtzaun und zwei japanische Soldaten, die uns nach unserer Militär-ID fragten o.O Wir hatten also ganz unverhofft einen der vielen Eingänge zur amerikanischen Base gefunden, aber da wir keine Militär-ID hatten, durften wir nicht rein. Um zum Schiff zu gelangen, mussten wir um die Base herumlaufen. Erfreut davon, uns das Ganze auf Japanisch erklären zu können, gab uns einer der Soldaten noch ein 「気をつけて!」 (ki o tsukete! – „Passt auf euch auf!“) mit auf den Weg 😀

Unterwegs sahen wir noch ein paar mehr dieser bewachten Eingänge zur Base.

DSCF3044

Wir liefen die Hauptstraße entlang, vorbei an einer Vielzahl recht runtergekommener Hochhäuser. Der Versuch, sich an die amerikanischen „Gäste“ anzupassen, war an vielen Ecken und Enden deutlich zu sehen.

  (Man beachte bitte das berauschende Wetter im Hintergrund!)

Fast ohne Probleme fanden wir die Mikasa, kauften uns Tickets, erfreuten den Mann am Eingang mit unseren Japanischkenntnissen und kraxelten dann endlich auf dem Deck des Schiffs herum.

Anschließend ging es ins Innere des Schiffs, um uns durch die dortige Ausstellung zu wühlen. Es waren vor allem Sammlungen über das Leben an Bord, ellenlange Texte über die Kriegsgeschehnisse, eine Simulation des „great turns“ der Mikasa, welcher die entscheidende Wende in der Schlacht mit den russischen Schiffen brachte, viele, viele Uniformen, Abzeichen usw.

Vom Schiff aus konnte man im Hintergrund die Affeninsel sehen (Monkey Island lässt grüßen). Sollten wir doch noch? Ein anwesender Herr, der dann noch ein Foto von uns beiden schoss, erklärte uns, dass die Affeninsel eigentlich nur ein paar schöne Wege für einen Spaziergang bietet und die Insel auch nur noch Affeninsel heißt, weil dort früher einmal Affen gelebt haben. Schlechtes Wetter, teure Überfahrt und dann nicht mal Affen? Nein, danke! XD

Die Mikasa liegt übrigens nicht im Wasser vor Anker sondern befindet sich an Land in einem Park, in dem wir im Anschluss noch einen kleinen Spaziergang machten. Vom Park aus konnte man in Richtung Base sehen, und was entdeckten wir dort sofort?

Einen monströs großen McDonalds XD Na, damit kommen bei jedem auf der Base doch bestimmt sofort tiefste Heimatgefühle auf 😛

In Yokosuka selbst haben wir nur einige wenige Amerikaner gesehen, und diese waren meist auf dem Weg zur Base. Das mag zum einen daran gelegen haben, dass es Nachmittag war und damit Arbeitszeit, zum anderen aber auch daran, dass von Einkaufsmöglichkeiten über Schulen und Wohnungen bis hin zu Restaurants alles auf der Base erkennbar vorhanden war und damit wenig Notwendigkeit besteht, selbige zu verlassen. Eine amerikanische Insel mitten in einer japanischen Stadt. Ich kann verstehen, wenn sich ein Soldat, der wahrscheinlich alle drei Jahre woandershin versetzt wird, keine Lust hat, sich ständig mit neuen Gepflogenheiten und einer neuen Sprache auseinanderzusetzen. So viel Abgeschlossenheit finde ich persönlich dann aber doch wieder sehr schade. Bei uns ist natürlich auch jeder erstmal davon ausgegangen, dass wir Amerikaner sind und zur Base gehören, und quasi aus den Latschen gekippt, wenn wir auf Japanisch geantwortet haben XD

Alles in allem muss ich sagen, dass Yokosuka bei mir einen sehr tristen Eindruck hinterlassen hat. Das mag am Wetter gelegen haben. Vielleicht kann ich der Stadt bei Sonnenschein noch mal einen Besuch abstatten und meinen Eindruck revidieren. Wenn ich denn jemanden finde, der da unbedingt mal hin will XD

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