それは愛か、贖罪か。

Eine Revue des Takarazuka-Ensembles, der takarazuka kagekidan 宝塚歌劇団 ,  wollte ich mir anschauen, seit ich damals an der Tōkai-Uni einen Vortrag über selbige hielt und während der Recherche hierfür auf ihre Aufführung von berusai no bara ベルサイユの薔薇, bei uns bekannt als „Lady Oscar“, stieß. Der Vortrag selbst ist inzwischen eine ganze Weile her, und nun habe ich es also endlich mal geschafft, an Karten zu kommen. Gar nicht so einfach!

Die Takarazuka-Revue wurde im Jahr 1913 gegründet, gleich zu Beginn mit der Besonderheit, dass das Ensemble ausschließlich aus weiblichen Darstellern besteht. Geschminkt bis zur Unkenntlichkeit und in pompösen Kostümen vor absolut detailverliebten Kulissen adaptiert die Revue seitdem sowohl eine Vielzahl an westlichen Musicals, als auch Manga und Anime. Und wie ich an der Schwierigkeit, an Karten heranzukommen, gemerkt habe, erfreuen sie sich mit diesem Konzept auch heute noch absoluter Beliebtheit. Ausverkauft in Minuten o.O

Alle Damen der Takarazuka werden in verschiedene Gruppen eingeteilt. Das gibt dem Ensemble die Möglichkeit, eine Vielzahl an Stücken einzustudieren, so dass etwa alle 2 – 3 Monate die Stücke in jeder Stadt, in der sie vorgeführt werden, wechseln können. Wir durften uns an der hanagumi 花組み, dem Blumentrupp, erfreuen. Jede Gruppe hat zwei Hauptdarsteller: eine Dame, die die weibliche Hauptrolle, die musumeyaku 娘役, in den Stücken der Gruppe übernimmt, und eine Dame, die die männliche Hauptrolle, die otokoyaku 男役, in den Stücken übernimmt. Die restlichen Mitglieder der Gruppe übernehmen die übrigen Rollen, ein Wechsel erfolgt nur in den seltensten Fällen. Die otokoyaku der jeweiligen Gruppen sind ihre unangefochtenen Stars mit einem Hype, dessen Auswirkungen ist erst im Takarazuka-Fanshop so  richtig mitbekommen habe. Dort gab es nichts, was es nicht gab, mit Namen oder Photo der einzelnen otokoyaku: Hand- und Taschentücher, Handcremes, Schreibblöcke und Stifte, Taschen … Jeder otokoyaku war eine eigene Schmuck- und Kosmetiklinie gewidmet, und Sammelkarten mit ihren Photos waren beliebter als alles andere. Eintritt in den Fanshop erhielt man nur nach Vorlage seines Tickets für den entsprechenden Tag. Innerhalb im Laden herrschte ein Gedrängel und eine Aufregung, dass Kei und ich entschieden, auf die exklusive Takarazuka-Lady-Oscar-Taschentuch-Kollektion zu verzichten und uns lieber auf unsere Sitzplätze zu begeben 😛

Ich hatte uns Karten für das Stück fukkatsu 復活, einer Adaption des Tolstois-Romans „Auferstehung“, besorgt, und ich muss sagen, dass ich von der Umsetzung sehr begeistert war.

http://kageki.hankyu.co.jp/

(Auf das Bild mit 復活 klicken, dann gibt es sogar ein kurzes Video zum Anschauen ^^)

Die Bühnenbilder und die Kostüme waren atemberaubend. und im grellen Scheinwerferlicht – man mag es kaum glauben – machte das Übermaß an Make-up aus den Darstellern wunderschön anzusehende Männer und ihre Herzensdamen. Von den Liedern habe ich jetzt noch einen Ohrwurm, und jeder, der so auf der Bühne tanzen und gleichzeitig noch eine solche Stimme produzieren kann, dass ich davon Gänsehaut bekomme, hat meinen absoluten Respekt verdient!

Die otokoyaku übernahm Ranju Tomu 蘭寿とむ, die musumeyaku Ran’no Hana (蘭乃はな) – ich weiß nicht, ob die Darsteller einen Künstlernamen besitzen, aber man beachte bitte, dass sich beide Hauptdarsteller des Blumentrupps mit dem Kanji für Orchidee schreiben. Nee, das wäre zuviel des Zufalls 😛

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich noch nie einen Tolstois-Roman in Händen gehalten habe. Auch damals in der Schule nahmen wir uns lieber „Effi Briest“ vor, während alle anderen Klassen „Anna Karenina lasen. Ich hatte daher eigentlich vor, ein wenig aus Angst, von dem Stück nichts zu verstehen, online einmal den Inhalt von „Auferstehung“ zu googlen, es dann aber vergessen o.O Glücklicherweise kam ich bei dem Stück doch dann ganz gut mit. Wer sich für den Inhalt interessiert, konsultiere bitte:

http://de.wikipedia.org/wiki/Auferstehung_%28Tolstoi%29

Wir mussten in der Schule ja auch „Der Vorleser“ lesen, und damals war ich von der überraschenden „Der Protagonist trifft seine alte Flamme bei ihrer Anklage vor Gericht wieder“-Wendung der Geschichte sehr angetan. Gut zu wissen, dass Herr Tolstois sich für dieses Pattern schon früher hat begeistern können. Keine eigenen Ideen mehr in der Welt der Literaten 😛

Von dem Stück war ich also mehr als begeistert. Die sich anschließende Revue, die inhaltlich und auch optisch gar nichts mehr mit dem Stück zu tun hatte, sondern so sehr glitzerte, dass mir fast die Augen weh taten, war zu Anfang ganz toll, aber dann zu lang. Ich kann mir einfach keine ganze Stunde lang Tanzstücke ansehen, in denen es ausschließlich darum geht, dass ein Mann eine Frau verführt, und wo man zu Beginn des Stücks allein an den Klamotten schon erkennt, wer mit wem und wie und wo und warum.

Ohne Sprachkenntnisse ist es übrigens schwer, an Karten heranzukommen, da die Homepage für die Bestellung ausschließlich auf Japanisch ist .Aber ohne Sprachkenntnisse würde ich wahrscheinlich eh davon absehen, mich in ein Stück zu setzen – das könnte wohl eher doch langweilig werden 😉

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2 Antworten zu それは愛か、贖罪か。

  1. Nori schreibt:

    Das klingt ja toll 🙂
    Da bekomme ich glatt Lust, das auf meine Lebens-To-Do-Liste zu schreiben.
    Falls ich es dann irgendwann umsetzen sollte, freue ich mich sehr über eine charmante Begleitung…

    • nagarazoku schreibt:

      Egal welches Stück, da bin ich doch dabei ;D

      Eine Lebens-To-Do-Liste hab ich übrigens auch und seit deinen Photos auf Facebook steht da ganz groß: „Geisha werden!“ … gleich unter „Kontaktlinsen meistern“ … eine Geisha mit Brille macht sich vielleicht nicht so authentisch XD

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