Ein Spaziergang im Regen

Als ich mich am Montag mit einer Bekannten, die ich seit nun über vier Jahren nicht mehr gesehen hatte, in Harajuku 原宿 verabredete, hatten wir beide irgendwie besseres Wetter erwartet, bekamen aber einen komplett verregneten Tag. Gut, ich will nicht meckern, das kommt hier zu dieser Jahreszeit doch recht selten vor. Nur in unsere Tagesplanung passte das eigentlich nicht: Vom Meiji-Schrein 明治神宮 zur Takeshitadōri 竹下通り und dann zu Fuß nach Shibuya 渋谷. Aber wie sagt man immer so schön? Es gibt kein unpassendes Wetter, nur unpassende Kleidung! Und so zogen wir unser Programm einfach trotzdem durch!

Photos habe ich an dem Tag so gut wie keine geschossen, da es sich bei dem Wetter einfach nicht gelohnt hat. Aber die Strecke, die wir abgelaufen sind, hat etwas sehr, sehr Nostalgisches für mich. Sie war damals nämlich nicht nur das erste Ausflugsziel, das Frau B. mit uns anpeilte, sondern auch für mich das allererste Mal in meinem Leben, dass ich Tōkyō einen Besuch abstattete (guckst du hier). 4 1/2 Jahre ist das inzwischen her ^^;

Aufgrund des Regens entschieden wir uns, in so viele Läden wie möglich zu hopsen und Zwischendurch-trocken-werden mit Schaufensterbummel zu kombinieren. Besonders die Takeshitadōri und auch die Harajukudōri (hießt sie, glaube ich) sind voll mit kleinen Läden mit sehr ausgefallenen Klamotten. Während ich es in Berlin nicht so mag, in solche kleine Läden zu gehen, da die Klamotten dort meist weit außerhalb meines Budgets liegen und ich mich immer irgendwie fehl am Platz fühle, haben selbige in Tōkyō eine ziemliche Anziehungskraft auf mich, und aufgrund des zuvorkommenden und gleichzeitig zurückhaltenden Services macht auch Einfach-nur-mal-gucken-was-es-so-gibt unglaublich viel Spaß 😀

Wir entdeckten dann auch einen Laden, für den wir uns total begeistern konnten: Chikiriya. Dieser Laden verkauft nicht nur wunderschöne tenugui 手ぬぐい (oft übersetzt als japanisches Handtuch, aber eigentlich ist es mehr ein Allround-Tuch aus Baumwolle mit wunderschönen Aufdrucken, das man als Handtuch, Mütze, Geschenkverpackung, Taschentuch, Tasche und was-weiß-ich umfunktionieren kann), sondern bot auch Kleidung, Taschen und Accessoires hergestellt aus tenugui an. Für meinen Eigenbedarf etwas zu teuer, auch wenn die Preise aufgrund von Handarbeit nachvollziehbar sind. Aber da mein Geizgen sofort in den Urlaub geht, wenn es um Geschenke geht, habe ich was für Kei zum Geburtstag gefunden:

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Ein Ledergürtel, an einigen Stellen mit tenugui-Stoff überzogen. Ich weiß auch nicht, er gefiel mir unglaublich gut und den Preis konnte ich  für einen handgearbeiteten Ledergürtel mehr als vertreten (ich schreib den Preis hier mal nicht, vielleicht liest Kei mit :P), vor allem, weil ich weiß, dass Kei unbedingt einen neuen Gürtel braucht. Jetzt hoffe ich nur, dass ihm der Gürtel nicht zu „speziell“ ist und ihm genauso gut gefällt wie mir :3

Andere Stationen boten sich in Form von vielen kleinen Kunstausstellungen an. Einige waren privat, andere von Kunstuniversitäten. Alle hatten sie gemeinsam, dass die jeweiligen Künstler klamottentechnisch die Paradiesvögel unter den Paradiesvögeln waren, und dass sich bezogen auf die Werke Bilder im Anime- und Manga-Stil mehr als selbstverständlich zwischen Stillleben, Porträts und einigen doch sehr grotesken Werken tummelten. Bei uns in Deutschland doch immer noch sehr belächelt, würden in Japan wohl nur wenige Leute auf die Idee kommen, den Manga-Stil nicht auch als eine Kunstrichtung zu zählen.

Wir entdeckten dann auch noch einen Laden, der alles das verkaufte, was das Touristenherz höher schlagen lässt: Fächer, Teetassen, Yukata, Teeboxen, Kochbücher für die japanische Küche … Während ich mich vor ein paar Jahren in einem solchen Laden wahrscheinlich todgekauft hätte, üben diese peusdo-traditionellen, komplett auf Tourismus gebürsteten Läden inzwischen überhaupt gar keinen Reiz mehr auf mich aus ^^; Wir wissen: Die richtigen Perlen finden sich weit weg, fernab von allen Touri-Wegen!

Die restliche Zeit verbrachten wir in dem Starbucks genau an der großen Kreuzung in Shibuya, in dem man nur nach einem Sitzplatz Ausschau halten sollte, wenn man viel, viel Zeit hat. Gut, die hatten wir, und nach „nur“ 20 Minuten konnten wir unsere Hintern parken und ein wenig Geld für Kaffee verschwenden :3 Im Vergleich zu meinem Jahr an der Tōkai lebe ich hier echt in Starbucks-Abstinenz! XD

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2 Antworten zu Ein Spaziergang im Regen

  1. Nori schreibt:

    Der Gürtel ist super. Hast du sehr gut gekauft 😀

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