[Unterwegs] Am Hasedera

Letztes Wochenende besuchte uns eine Freundin, die derzeit an der Tsukuba-Universität in Ibaraki 茨城 studiert, und Kei und ich beschlossen, ihr Enoshima 江ノ島 zu zeigen und auch ein wenig Sightseeing in Kamakura 鎌倉 zu machen. Und da sich auf diesem Blog schon mehrere Beiträge mit genau diesen Ausflugszielen finden lassen, erspare ich euch die 101. Photos von Enoshima und dem Buddha in Kamakura, sondern zeige nur ein paar Photos eines Tempels in Kamakura, an dem ich ehrlich gesagt bisher immer vorbeigelaufen bin und nun am Wochenende das erste Mal die Gelegenheit genutzt habe, ihn mir anzuschauen. Die Rede ist vom hasedera 長谷寺 in Kamakura.

Um ihn betreten zu können, muss man Eintritt bezahlen, aber bei der vergleichsweise großen Gartenanlage, die den Tempel umgibt, ist wahrscheinlich auch einiges an Pflege notwendig.

DSCF2769 DSCF2771 DSCF2787

Zu betreffenden Jahreszeit soll diese Gartenanlage wohl in Hortensien nur so schwimmen. Ein Grund, noch mal wiederzukommen!

Die Tempelanlage verteilt sich auf zwei Ebenen, wobei man auf der höheren Ebene das Hauptgebäude findet, in dem eine große, hölzerne Statue der kan’non 観音 beherbergt wird – Photos leider verboten. Laut Tafelaufschriften ist sie eine der größten kan’non-Statuen in Japan und wurde erst aus Holz gefertigt und dann mit Gold überzogen.

Die untere Ebene der Anlage ist verstorbenen Kinder geweiht.

Auf dem Gelände verteilt sammeln sich überall eine Vielzahl von Statuen.

Jede Statue repräsentiert die Seele eines verstorbenen Kindes, die unter dem Schutz dieser Entität stehen:

Und hier müsste ich dann anfangen zu lügen, daher gebe ich lieber zu, dass ich mich mit dem Buddhismus kaum auskenne. Man sagt immer: „Japaner werden shintoistisch geboren, heiraten christlich und sterben buddhistisch“, und tatsächlich werden alle Zeremonien, die mit dem Tod zu tun haben, an Tempeln abgehalten. Diese Statue repräsentiert daher wohl eine buddhistische Entität beauftragt mit dem Schutz der verstorbenen Kinder – allerdings kann ich nicht sagen, ob es sich hier um „den“ Buddha handelt, eine buddhistische Gottheit oder ein buddhistisches Ich-hab-keine-Ahnung. Jemand eine Idee?

Diese Entität zumindest überwacht also diese Statuen und damit die Seelen der Kinder, und am hasedera gibt eine Menge, Menge, Menge Statuen – laut einer Freundin findet man wohl auch Statuen für Kinder, die abgetrieben wurden.

Hinter mir und neben mir und auch noch vorne ging es weiter mit der Ansammlung an Statuen. Es gab auch einige Leute, die kamen und neue Statuen aufstellten oder vor den bereits aufgestellten Statuen beteten. Ich kann mir wahrscheinlich nicht einmal vorstellen, wie schlimm es sein muss, ein Kind zu verlieren – sowohl vor der Geburt als noch sehr viel mehr danach. Doch diese gesamte Anlage strahlte eine Ruhe aus und war so wunderschön angelegt, dass man bei ihrem Anblick kaum noch anders kann als sich denken, dass, wer auch immer mit dem Schutz der Seelen der verstorbenen Kinder hier beauftragt ist, einen mehr als guten Dienst verrichtet.

Im Anschluss an Kamakura ging es wie gesagt nach Enoshima, und wenn es eins gibt, wovon ich nicht genug bekommen kann, ist es der Sonnenuntergang über eben dieser Insel. Der Fuji hat sich zwar wie immer etwas geziert, aber der Anblick ist einfach nicht zu toppen!

Dieses Mal war übrigens das erste Mal, dass ich eine Attacke einer der vielen Greifvögel hier miterlebt habe. Ich selbst war zwar nicht das direkte Opfer, aber als diese kleine Mistratte hier links auf dem Photo einem neben mir stehenden Kind einen Keks klaute, riss sie auf der Flucht schöne ihre Flügel quer durchs Gesicht o.O Keine Verletzung, aber hat ordentlich wehgetan!!! Lebensgefährlich hier!!!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Unterwegs abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu [Unterwegs] Am Hasedera

  1. Ro schreibt:

    Luftrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrratten!!!!!!! O_O

  2. Nori schreibt:

    Ach, diese Kinderstatuen…
    Ein paarmal habe ich da heulende junge Frauen vor stehen sehen. Wirklich kein schöner Anblick.
    Aber auf jeden Fall ein großartiger Brauch mit diese Statuen. Find ich persönlich wirklich sehr schön.

    • nagarazoku schreibt:

      Besonders für die betroffenen Eltern ist es eine wunderschöne Pilgerstätte. Es ist immer schön, einen Ort zu haben, an den man gehen kann. Besonders wenn man bedenkt, dass es in Deutschland gerade für abgetriebene Kinder für die Eltern ja meist keinen Ort gibt, an die sie zum Trauern hingehen können.

  3. Pingback: Catching up… « Ein Nagarazoku in Japan – 在日のナガラゾク

  4. Pingback: [Unterwegs in Japan] Noch mal Enoshima und Premiere im onsen | Ein Nagarazoku in Japan

  5. Pingback: [Untwergs] Auf Tempel- und Schreintour in Kamakura | Ein Nagarazoku in Japan

  6. Pingback: [Unterwegs] Nagano-Spezial: Durch einen Klaps näher am Himmel | Ein Nagarazoku in Japan

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s