Der Rutsch ins Jahr 2012

Der Abend des 31.12. ist jedes Mal ein sehr ruhiger in Japan. Kein Feuerwerk, große Parties nur, wenn man danach sucht, ein ruhiges Zusammensitzen mit der Familie – also vielleicht so, wie man unseren Heiligabend beschreiben würde. Man sitzt zusammen, isst ein meist festgelegtes Gericht und schaut kōhaku 紅白, DIE Silvestermusiksendung im japanischen Fernsehen, eine der unzähligen und zu Silvester besonders dummen und niveaulosen Comedysendungen oder auch ein Silvesterspecial der Talentfabrik Johnny’s … Ähm, ich verzichte!

Kei und ich haben den Tag mit dem großen Jahresendputz, ōsōji 大掃除, verbracht. Ja, das, was bei uns in Deutschland erst zu Frühlingsbeginn ansteht, aber wenn alle um einen herum anfangen zu putzen und ihre Futons auszukloppen und man aus jeder Wohnung Staubsaugergeräusche hört, ist das irgendwie ansteckend XD

Unterhaltungsmäßig blieben wir bei „Dinner for One“ und „Der Silvesterpunsch“, und damit Kei auch was zu lachen hat, durfte er sich an einer der Comedysendung erfreuen, als ich in der Küche mit dem Kartoffelsalat kämpfte 😛 Sorry, aber ich kann die Dinger einfach nicht ertragen!

Viel passiert dann meistens auch nicht mehr. Wichtiger in Japan als der 31.12 ist der 01.01., denn in Japan spielt „das Erste“ des neuen Jahres eine große Rolle. Das erste gemeinsame Essen mit der Familie, der erste Schreinbesuch, hatsumōde 初詣, der erste Sonnenaufgang (daaa hab ich noch gepennt XD), der erste Grabbesuch, der erste Traum, hatsuyume 初夢, etc. …

Das erste gemeinsame Essen findet in Keis Familie immer recht früh am Tag statt – 10 Uhr, spätestens 11 Uhr geht es los. Und es ist eigentlich fast jedes Jahr ein fettes Sushi-Menü. Für mich bedeutet das, am entsprechenden Tag immer recht früh aufzustehen und ordentlich zu frühstücken, wenn ich meinen Magen bereits um 10 Uhr mit Sushi beglücken will, denn roher Fisch auf leeren Magen zum Frühstück vertragen sich in meinem Fall leider gar nicht -.-‚ Nix mit lange wach bleiben am 31., aber was tut man nicht alles für gutes Sushi XD

Meinen ersten Traum hatte ich natürlich auch schon … … … meinen Rückflug im April. Na, da brauche ich aber keinen Propheten, um diesen Traum zu verstehen -.-‚ Mein Realitätssinn belästigt mich sogar im Schlummerland. Schlimm so was!

Den ersten Schreinbesuch haben wir heute dann absolviert. Auch wenn Kei es nie zugeben würde, ist ihm das alles doch immer recht wichtig XD Und dieses Jahr braucht er die Gunst der Götter ganz besonders, denn für Kei ist es ein Unglücksjahr, ein yakudoshi 厄年. Aber nicht verzagen, die Götter fragen! Es gibt ja viele, viele Wege, gegen dieses Unglücksjahr vorzugehen!

Erst einmal natürlich die Götter um Hilfe bitten:

Ein ema 絵馬 – ein Holztäfelchen, auf das man seine Wünsche schreiben kann – hinterlassen:

Ein Orakelzettelchen, omikuji おみくじ ziehen und sollte es passend zum Unglücksjahr arg zu negativ sein, es am Schrein hinterlassen, damit sich die Götter darum kümmern können:

Viele, viele Glücksbringer, omamori お守り kaufen! Außerdem gibt es wohl noch eine Art Ritual oder so ähnlich, das man an einem Schrein absolvieren kann und das einen dann das Jahr über beschützen soll. Keis Eltern wollen am Wochenende mit Kei zum Hiratsuka-Schrein, um dieses Ritual zu vollziehen – ich bin gespannt!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Über Japan veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Der Rutsch ins Jahr 2012

  1. Nori schreibt:

    Euer Essen sieht ja köstlich aus!

    Der arme Kei, dass er ein Unglücksjahr durchstehen muss.

    Naja, mein (westliches) Jahreshoroskop sagte mir auch nicht gerade rosige Zeiten voraus.
    Aber was soll’s, ich schaff das!

    • nagarazoku schreibt:

      Daher mag ich Horoskope nicht unbedingt, da geht man doch schon total paralysiert in das neue Jahr -.-‚ Horoskope sollten sein wie Glückskekse: ausschließlich positive Nachrichten enthalten und einem Hoffnung geben!

  2. Tabea schreibt:

    Hiroki hatte letztes Jahr sein Unglücksjahr und wat soll ick sagen, es war wirklich scheiße. Also holt euch alles, was ihr an Glücksbringern abgreifen könnt!! 😉

    Gut, dass wir Frauen erst wieder mit 33 dran sind. ^^

    • nagarazoku schreibt:

      Na da haben wir ja noch ein Weilchen XD
      Dann hoffe ich mal, dass das Ritual da einiges an Unglück wegfegen kann – Unglücksjahre kann niemand gebrauchen!

  3. Pingback: 厄年ホイホイ!!! – Hinfort mit dir, du Unglücksjahr! « Ein Nagarazoku in Japan – 在日のナガラゾク

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s