Die Keiō und ich – ein Neustart

Denn der erste Versuch war nicht gerade prickelnd. Mit ihren zwei Milliarden Sonderregelungen für mich und einer Bürokratie, die so undurchschaubar ist, dass selbst die Keiō keinen Durchblick hat, hatte man es mir soweit verdorben, dass ich die letzte Woche Zuhause verbracht habe. Krankheitsbedingt sowie keine schlechte Idee, aber selbst mit einem Gesundheitszustand zum Purzelbäumeschlagen hätten mich keine zehn Pferde in die Uni gekriegt. Ich brauchte Abstand und mein Adrenalinspiegel ein wenig Ruhe.

Heute dann habe ich alle Sprachkurse gecancelt. Ich glaube nicht, dass ich diese Entscheidung bereuen werde. Ich bin einfach zu alt für Kurse, in denen ich mein Hobby oder mein Haustier vorstellen soll, um dann Punkte dafür zu bekommen. Selbst der Zeitungslektürekurs entpuppte sich als Flopp. Wo Herr Kinski damals noch halbwegs anspruchsvolle Zeitungsartikel aus allen möglichen Bereichen herausgesucht hatte, bestanden die Artikel in meinen Kurs aus Neueröffnungen an der Ginza-Straße und Katzen, die von der Feuerwehr von Bäumen gerettet werden. Letzteres ist ja ganz putzig, aber anspruchsvoll ist was anderes. Also weg mit allen Sprachkursen! Ich hatte mein Tōkai-Jahr – das muss reichen! Ich bin als Forschungsstudent hier, also werde ich mich auch auf das konzentrieren! Japanisch lernen kann ich auch Zuhause, wie die letzten paar Jahre auch!

Geblieben sind die Kurse aus den International Studies, vor denen mich eigentlich jeder gewarnt hatte. Aber ich finde sie gar nicht mal so schlecht! Vielleicht hatte ich bei der Auswahl aber auch nur Glück. „Contemporary Global Issues and the Role of the UN“ am Montag und „Third World Development“ am Mittwoch werden jeweils von Dozenten gelehrt, die selbst jahrelang in diesen Bereichen gearbeitet und Erfahrung gesammelt haben und daher sehr versiert mit vielen lustigen Anekdoten die Seminare leiten. Gut, wer bereits in Richtung dieser Themen studiert hat, wird mit der Oberflächlichkeit, mit der diese Themen behandelt werden, vielleicht nicht unbedingt zufrieden sein, aber für mich eignen sie sich perfekt für den affinen Bereich!

Geblieben sind auch die Kurse von Herrn Ō. … leider … Bisher haben die mir nicht so viel gebracht, und ich werde wahrscheinlich auch gar keine Punkte für sie bekommen. Aber Herr Ō. ist nun mal mein academic advisor und besteht quasi auf meine Anwesenheit. Der eine Kurs ist ein BA-, der andere ein MA-Kurs. In beiden stellen Studenten jeweils ein Kapitel aus EINEM Buch vor. EIN Buch. Für das ganze Semester. Ich sitze also da, höre zu und kämpfe gegen die Müdigkeit. Na, da kommt doch Freude auf! In diesen Stunden mein treuester Freund: Boss Kaffee!

Der MA-Kurs ist genauso aufgebaut, nur dass da die Studenten auch noch einen Vortrag zu ihrem Forschungsthema halten sollen. Was spannend klingt artet leider aufgrund des Themas – managament performance – in ein ödes Vorgetrage von Tabellen aus. Übersicht der Differenz zwischen eingereichten und bearbeiteten Einträgen im Rathaus Shinagawa. Na, wie spannend! Und ich kämpfe wieder gegen das Einschlafen. Und habe zudem auch das Gefühl, dass ich mit meinem Thema nicht so recht in diesen Kurs passen will. Ich muss es aber trotzdem im Januar vor allen vorstellen. Herr Ō. besteht drauf. Natürlich -.-‚

Also, die Keiō bekommt eine zweite Chance von mir! Heute hat sie sich ganz gut benommen XD Das Canceln der Kurse verlief ohne Probleme, ich habe ENDLICH mein erstes Stipendium bekommen, und auch der Kurs heute war wieder recht interessant. Weiter so, Keiō, dann hab ich nach meiner Rückkehr vielleicht auch was Gutes über dich zu berichten 😉

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2 Antworten zu Die Keiō und ich – ein Neustart

  1. Nori schreibt:

    Ich find’s gut, dass du die Sprachkurse gecancelt hast.
    Mal ehrlich, was wollen die dir in den Kursen noch groß beibringen? Dafür machst du einfach schon viel zu lange und vor allem viel zu intensiv Japanisch.

    Lieber auf die wichtigen Kurse konzentrieren (und das gesamte Buch sorgfältig lesen, nicht nur das eine Kapitel, das du vorstellen musst…..) und schön forschen.

    xxx

  2. nagarazoku schreibt:

    Ja, das habe ich mir auch gedacht. Das einzige, was ich wirklich noch gerne gelern hätte, wäre wissenschaftliches Japanisch, aber so einen Kurs bietet man hier natürlich nicht an -.-‚ Nee, nee, mein Tôkai-Jahr ist vorbei und das ist auch gut so ;D

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