[Andere Länder, andere Sitten] Die Freuden und Leiden in einer Wrapping-Culture

Dass in Japan das Verpacken nicht nur eine besondere Tradition hat, sondern in einigen Bereichen bis ins Übermaß betrieben wird, ist nichts Neues und sollte jeden Umweltschützer in Kampfkleidung auf die Bildfläche rufen.

Beginnen wir doch mal bei den kostenlosen Tüten, die es zu jedem Einkauf dazu gibt. Je nach Menge eine bis unendlich viele Tüten, um den Einkauf ohne Probleme verstauen und transportieren zu können. Hinzu kommen einzelne Lebensmittel, die noch einmal in eine extra Plastiktüte gepackt werden, damit sie den Rest der Einkaufes nicht einsauen. So z.B. jede gekühlte Getränkeflasche, alles abgepackte Fleisch und jedes Kosmetikprodukt, das man zu seinem Wocheneinkauf dazu erwirbt. So wie hier:

Insgesamt 500g Fleisch jeweils nochmal extra in eine Plastiktüte gepackt, damit ja nichts an die anderen Lebensmittel kleckert. Was da kleckern soll, weiß ich nicht, das Fleisch war eingeschweißt. Aber wer weiß, welche japanische Hausfrau sich so schon ihre ebenfalls eingeschweißte 20 kg Tüte Reis oder ihre doppelt verpackten Kekse mit Fleischwasser versaut hat? -.-‚

Oben drauf bekommt man häufig noch in eine Plastiktüte verpacktes Trockeneis, um den Einkauf gut gekühlt nach Hause zu schaffen. Wer dies zu Fuß tun muss, für den ist das Trockeneis gerade im Sommer sicher lebensnotwendig, damit das ganze Zeug auf dem Weg nicht aus den Tüten pleutert, aber gerade Großfamilien, die hier mit ihrem riesen Auto vorfahren, das eh auf 15 Grad runtergekühlt wird, hamstern das Zeug hier in Massen. Und in Plastiktüten!

Ich hab hier in den letzten 2 Wochen so viele Plastiktüten bekommen, da hätte ich in Deutschland ein halbes Vermögen für ausgeben müssen. Ich kriege ja selbst dann welche, wenn ich gar keine will! Oder meine MyBag mitgebracht habe! Dabei ist die MyBag ein Weg, wie Japan versucht, seinen Tütenkonsum zu reduzieren. In den meisten  Supermärkten erhält man eine Sammelkarte, auf die es Punkte gibt, wenn man die Tüten ablehnt (Ts, also würde man gefragt werden! Diese flinken Schlingel, da ist Schnelligkeit gefragt!) und wenn man genügend Punkte gesammelt hat, gibt’s was (Rabatt, ein Kuscheltier, watweißich…). Nun kann man seine MyBag aber mitbringen wie man will, sobald man Fleisch, ein gekühltes Getränk oder Hygieneartikel kauft, wird IMMER eine extra Tüte mit im Einkaufswagen landen. Die besagten Dinge werden von den Kassierern so schnell mit Plastiktüten umhüllt, da kommt das menschliche Auge gar nicht mit! Und so holte ich mir beim letzten Einkauf also zwei Stempel ab, da ich auf zwei Plastiktüten, die ich sonst erhalten hätte, verzichtet habe, hatte aber trotzdem DREI Plastiktüten in meinem Einkaufswagen, da ich oben gezeigtes Fleisch und eine gekühlte Flasche Tee für den Heimweg gekauft habe -.-‚ Und gemerkt habe ich dieses erst beim Einpacken am Packtisch o.O Diese kleinen, flinken Plastiktütenfetischisten!!!

Man kommt also nicht drum herum, aber seien wir mal ehrlich: Diese Plastiktütenverschwendung hat auch so ihre Vorteile, das will ich hier nicht unter den Tischen fegen. Wie oft steht man in Deutschland an der Kasse und merkt, dass man seine Einkaufsbeutel vergessen hat? Mist! Jetzt muss man sich wohl welche kaufen! Aber geizig ist man ja auch! Dann nimmt man nur zwei kleine Tüten, fühlt sich wie der Umweltverschmutzer schlechthin und hat sich dann eventuell auch noch absolut verschätzt und der Einkauf passt natürlich NICHT in nur zwei kleine Tüten *grrr* Kann in Japan nicht passieren! Die Verkäufer packen lieber eine Tüte zu viel als zu wenig in den Korb, und wenn man Glück hat, packen sie einem die gekauften Sachen auch gleich IN die Tüten selbst.

Zudem sehe ich wenigstens bei extra Plastiktüten für die gekühlten Getränke ein wenig Sinn dahinter, denn die gekühlten Getränke werden sehr nass, wenn sie an die warme, feuchte japanische Luft kommen, da fließen teilweise echt Bäche den Flaschenhals runter. Sieht man auch gut, wenn man in unserer Wohnung eines Flasche Wasser aus dem Kühlschrank holt. Keine 5 Minuten später ist die Stelle, an die man die Flasche gestellt hat, komplett zugepleutert (bin fast schon mal drauf ausgerutscht XD). In dieser Hinsicht kann ich manchmal wahrscheinlich froh sein, dass die platiktütenbestückte Verkäuferhand wieder schneller war als mein Auge.

Zusätzlich brauchen Kei und ich uns nie Müllbeutel kaufen, die hier schon einiges kosten. Eine Plastiktüte fliegt immer in unserer Wohnung rum … Moment, das ist untertrieben: Bei der Anzahl an Plastiktüten, die wir derzeit beherbergen, brauchen wir uns in 100 Jahren keine Müllbeutel kaufen. Und wenn man Plastiktüten sinnvoll auf diese Weise weiterbenutzt, sind sie ja auch nicht verschwendet.

Ich liebe auch das in Plastiktüten verpackte Trockeneis, denn derzeit muss ich die Einkäufe zu Fuß nach Hause schleppen, da ein Fahrradkauf noch aussteht. Und bei 35° in praller Sonne würde man dann ohne Trockeneis schnell mal mit nur noch geschmolzenem Zeug nach Hause kommen. In Deutschland gibt es ja z.B. bei Kaufland oder Kaisers diese riesengroßen Getriertransportbeutel, aber ey, die kosten beinahe 3 € das Stück! Dann lieber das Trockeneis!

So sehr ich also in den meisten Fällen die Erste bin, die ihre MyBag griffbereit hat und sich zwischen jede Plastiktüte und ihren Einkauf wirft, so sehr schätze ich es doch, wenn ich auf den Tütenkonsum zurückgreifen kann, wenn ich es will.

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3 Antworten zu [Andere Länder, andere Sitten] Die Freuden und Leiden in einer Wrapping-Culture

  1. nori schreibt:

    Muahua,

    ich benutze auch immer die Obst- und Gemüsetüten als Mülltüten. Aber wenn selbst ich in Deutschland schon genug davon habe, dann könnt ihr ja bequem 20 Mülleimer in der Wohnung versorgen…

    Eine kleine Warnung allerdings: Falls ihr doch langsam immer mehr Tüten rumliegen habt, solltet ihr ab und an welche wegwerfen. Ein riesiger Tütenberg, der langsam eine Schublade füllt, dann zwei, dann den ganzen Schrank und schließlich den Boden daneben, der ist der erste Schritt in das Messieleben. (Kein Scherz, das Pivatfernsehen kann nicht irren!)

  2. Tabea schreibt:

    Seit ich meine schicke Pinguintragetasche habe, habe ich die Tüten auch immer an der Kasse abgelehnt (gibt 2 Yen Rabatt bei MaxValue…) Und irgendwann – großes Desaster – hatten wir tatsächlich keine Müllbeutel mehr!! Ahhh!

    Plastetüten treten in Massen auf und verschwinden dann auch wieder alle gemeinsam auf einen Schlag. Ist wie bei einer Nomikai.

  3. nagarazoku schreibt:

    @Nori
    Wegwerfen? ICH KANN NICHTS WEGWERFEN!!! Schick ProSieben, schick RTL, hol die Bild!!!! Deutsches Privatfernsehen MUSS wissen, wie es in japanisch-deutschen Messi-Wohnungen zugeht! XD

    @Tabi
    Oh Gott, keine Müllbeutel mehr und dann teuer welche kaufen? Nee, nee, nee, nee, nee, immer schön merken: bei jedem dritten Einkauf alle TGüten mitnehmen, die man kriegen kann XD

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