Auf dem Weg zum JLPT unterwegs kurz verloren gegangen

Sich für den jährlichen JLPT in Deutschland anzumelden, ist quasi ein Kinderspiel, besonders wenn man in Berlin wohnt. Man sucht einfach Frau B. in derHumboldt-Uni auf, staubt ein, zwei Anmeldeformuare ab, füllt die Anmeldung aus, überweist das Geld, druckt einen Überweisungsbeleg aus, schickt die Anmeldung ab und fertig.

Im Mutterland des JLPT sollte so eine Anmeldung dann doch sicher genauso einfach, wenn nicht sogar noch einfacher ablaufen, oder? FALSCH GEDACHT!!!

JLPT-Anmeldeformulare gibt es hier nicht irgendwo bei einer der 2 Millionen Unis kostenlos, sondern man muss sie sich in einem Bücherladen kaufen! Für stolze 500 Yen, etwa 5€, das Anmeldeformular. Da hatte sich das Anmeldeformular zur Sicherheit für eventuelle Verschreiber gleich mal erledigt. Zudem erhält man die Formulare nicht in jedem Bücherladen, sondern nur in „allen großen Bücherläden“. Eine offizielle Liste der Bücherläden, die die JLPT-Formulare führten, enthielt die JLPT-Homepage nicht. Danke! Und was bitte ist jetzt ein großer Bücherladen? Denn flächenmäßig gesehen war der Bücherladen, in dem ich dann mein Formular endlich kaufen konnte, sogar ein wenig kleiner als die Bücherläden, die die Dinger nicht hatten.

Aber fangen wir doch mal von vorn an. Naiv, wie das Nagarazoku also ist, definiert es die beiden Bücherladen am Bahnhof Hiratsuka als groß. Rein von der Fläche her hatte sie damit eigentlich auch recht. Aber die Anmeldeformulare führten die Läden nicht 😦 Der zweite Bücherladen zauberte aber aus seinem Drucker wenigstens eine Übersicht für mich hervor, welche Bücherläden denn die Formulare verkauften. Und dann das: Der nächste Bücherladen in unserer Nähe war in Yokohama o.O Aber da wenigstens auch gleich fünf. Nun gut, eine Fahrt nach Yokohama ist ja auch selten verschwendet, und so packte ich am WE Kei ein und wir machten uns auf den Weg. Fassen wir die „Irrfahrt“ mal so zusammen:

Bücherladen Nummer 1 wusste gar nichts von seinem Glück, JLPT-Anmeldeformulare zu verkaufen, und konnte mir damit nicht weiterhelfen.

Im Bücherladen Nummer 2 waren die Dinger AUSVERKAUFT!!! Ey, ich will nur ein Anmeldeforumlar, nicht den 8. Harry-Potter-Band!!!

Bücherladen Nummer 3 hatte dann ENDLICH ein Formular für mich! Da taten die 500Yen schon gar nicht mehr so doll weh.

Wären jetzt die Bücherläden nebeneinander gelegen, hätte man das ja noch verkraften können, aber wir sind halb Yokohama abgelaufen! Mein in mein Handy integrierter Schrittzähler zeigte was von 6km o.O

Der nächste Spaß wartet dann auch schon: die Gebühren bezahlen. Stufe eins kostet 5500 Yen. Rechnet man die 500 Yen, die ich für das Formular bezahlt habe, dazu, sind wir bei den rund 60 €, die man auch in Deutschland hinblättert. Wo man in Deutschland aber einfach schnell eine Onlineüberweisung tätigt und den Überweisungsschein ausdruckt, kommt einem hier das für Japan echt rückständige Bankensystem in die Quere.

In Japan erledigt man fast alles mit Bargeld. Überweisungen gibt es kaum und scheinen recht kompliziert zu sein. Handyrechnungen werden im Convinience Store bezahlt, die Miete (ohne scheiß!) bar bei der Firma vorbeigebracht oder auch bar bei der Bank der Firma eingezahlt. Strom-, Wasser- und Gasrechnungen bezahlt man bei der Post. Und da muss ich nun auch hin, um meine JLPT-Gebühren zu bezahlen. Also, ich muss zur Post, die im besten Fall bis 18 Uhr geöffnet hat, und von der Post Geld abheben, um sie dann der Post zu geben, damit diese mir abstempelt, dass ich meine JLPT-Gebühren bezahlt habe.

Und wenn das dann erledigt ist, folgt Spaß Nummer 3: Ich darf mir nicht aussuchen, wo ich den JLPT schreibe. Es gibt massenhaft Testcenter und auch welche bei mir quasi um die Ecke, aber da ich lediglich einen Kreisel um die Region Kantō machen und nicht mal eine Präfektur benennen durfte, kann es auch sein, dass ich bis irgendwo in den weitesten Winkel nach Tōkyō raus darf, um meinen JLPT zu schreiben … oder noch weiter… steht extra auf dem Umschlag… o.O

Also ey, hätte ich nicht schon so viel gelernt, wäre es mir an diesem Punkt wahrscheinlich schon zu dämlich und ich würde es lassen. Aber nun werde ich meine Unterlagen brav ausfüllen, mal wieder Photos machen lassen, die Gebühren in der Post entrichten und mich in mein Schicksal des nicht frei wählbaren Testcenters fügen. Andere überleben es ja auch!

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4 Antworten zu Auf dem Weg zum JLPT unterwegs kurz verloren gegangen

  1. nori schreibt:

    Na, das klingt ja mal wieder nach reichlich Spaß….
    Ich muss mir mein Anmeldeformular auch noch besorgen, aber bei mir wird das wohl einfacher als bei dir ablaufen…

  2. nagarazoku schreibt:

    Ey überleg mal, man will sich aus Deutschland für den JLPT in Japan anmelden, weil man zufällig im Dezember für ’nen Urlaub da ist und die Gelegenheit am Schopfe packen möchte. Das geht gar nicht! Nicht nur sieht das Anmeldeformular komplett anders aus, sondern unsere Post könnte mir den Überweisungsnachweis gar nicht abstemplen -.- Und Überweisungsbelege ohne Poststempel wollen die gar nicht erst sehen…

  3. nagarazoku schreibt:

    Ach ja, mal davon abgesehen, dass man in Deutschland gar nicht an die ganzen Formulare rankommt, da man sie hier ja nur im Bücherladen kriegt (-x-)

  4. Pingback: I finally passed! « Ein Nagarazoku in Japan – 在日のナガラゾク

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