[Unterwegs] Im Nogeyama-Tierpark

In Japan wird einem das Geld relativ schnell aus der Tasche gezogen. Nicht nur die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten sind sehr viel höher als in Deutschland, sondern man bezahlt sich auch tot, wenn man durch die Gegend fährt. Die billigste Fahrt, die ich hier derzeit machen kann, ist von Kei Zuhause zum Bahnhof Hiratsuka, was mit dem Bus ungefähr 10 Minuten dauert und 170¥ (etwa 1,50 €) kostet. Bis nach Yokohama bezahlt man dann schon insgesamt 6 €, nach Tōkyō ist man mit 12 € dabei. Und das allein nur hin! Monatsfahrkarten oder Studententickets gibt es auch, die sind aber ebenfalls schweineteuer und gelten immer nur auf einer festgelegten Strecke. Sobald man von dieser abweicht, bezahlt man wieder drauf. Da lernt man doch erstmal richtig schätzen, was man an so einem tollen Studententicket in Berlin eigentlich hat XD

Da Kei und ich in den letzten Tagen eeetwas über unseren Verhältnissen gelebt haben, wollten wir dann gestern mal einen halbwegs kostengünstigen Ausflug starten. Also fuhren wir in den Nogeyama-Tierpark 野毛山動物園 , denn hier ist der Eintritt *trommelwirbel* umsonst!

Der Tierpark ist daher auch recht klein, aber gut 2 Stunden kann man sich hier schon beschäftigen. Es zeigt sich bei solchen Gelegenheiten leider nur immer wieder, dass Japaner eine vollkommen andere Vorstellung von artgerechter Tierhaltung haben als ich es gewohnt bin. Das fängt bei viel zu kleinen Käfigen für die Löwen an und hört bei Dachsen, die in ihrem Gehege keinen geeigneten Platz für den Winterschlaf haben und deshalb uneingekuschelt auf dem Boden liegen müssen (*schnief* Trauriges Bild!) nicht auf. Am schlimmsten fand ich persönlich den nakayoshi hiroba 仲良し広場, den großen Platz der Freundschaft, auf dem es Mäuse und Meerschweinchen zum Anfassen, Rumtragen und Plattknuddeln gab. Ich selbst hatte ja auch mal Ratten und Meerschweine und weiß, wie man mit diesen Tieren umgeht. Ganz besonders deshalb bin ich kein Fan davon, sie in tollpatschige, unerfahrene Kinderhände zu geben, wenn nicht mal eine Aufsichtsperson mit Ahnung daneben steht. Das artete darin aus, dass sich Kinder Meerschweinchen um Meerschweinchen auf den Schoß holten, bis sie die fast nicht mehr festhalten konnten, oder ihre Meerschweinchen einfach irgendwo sitzen ließen und sie nicht in den Käfig zurücktrugen, bevor sie weiter durch den Zoo flanierten. Drei Mal dürft ihr jetzt raten, wer ALLE diese Meerschweinchen wieder zurückgesetzt hat -.-‚ – Es kam auch vor, dass Mäuse am Schwanz gepackt und herausgehoben werden. Aaah!!! Wenn der Zoo auch sonst ganz nett war, hier konnte ich echt kaum hingucken!!! Die armen, armen Tiere … Lenken wir uns mit ein paar Photos von glücklichen Tieren ab!

„Wenn der Tiger Meimei ihren/seinen Schwanz hebt, laufen Sie bitte schnell weg! Sie/Er schießt mit Urin nach Ihnen!“ o.O

Ich mag kleine Zoos. Man läuft sich nicht tot und hat trotzdem Spaß 😀

Im Anschluss sind wir noch ein wenig durch ein paar Geschäfte in der Bahnhofspassage gebummelt, aber hier ist es inzwischen auch wie in Berlin: In jedem Kaufhaus gibt es dieselben Geschäfte mit den immer selben Produkten und deshalb macht es schon bald keinen großen Unterschied mehr, wo man letztendlich einkaufen geht. Zudem wollten wir den Tag ja kostengünstig halten, also haben wir uns in Zurückhaltung geübt 😛

Da Kei heute arbeiten muss und ich eh noch ein wenig was für die Uni zu tun habe, wird der heutige Tag auf der Couch verbracht, morgen will ich dann aber endlich die Super-natsukashii-ich-besuche-nach-2 1/2 Jahren-die-Tōkai-Uni-Tour durchziehen! Also ganz natsukashii mit dem Bus von Kei Zuhause zur Uni ans minamimon 南門, ans Südtor, einen Abstecher zum Wohnheim, hin zum hachigōkan 八号館 , das 8. Gebäude in dem wir immer Unterricht hatte und dort am Getränkeautomaten einen Boss-Kaffee ziehen, und der Mensa „Hallo!“ sagen. Dann raus aus dem kitamon 北門, dem Nordtor. Erst nach links zur Post, wo wir von unseren deutschen Kontos Geld abholen konnten (DAS hat mir ein ums andere mal den Arsch gerettet!). Anschließend zurück nach rechts runter zum Daiei und zum 100Yen-Shop, wo die Ronja und ich jeden Montag unseren Wocheneinkauf erledigt haben. Dort gab es ja auch noch den Drugstore Create, da geht es auch noch mal rein. Dann dürfte ich so die Hauptstationen meines Tōkai-Alltages abgelatscht haben XD Klingt mal wieder nach einem Tag, an dem ich abends tot ins Bett falle, aber ich freu mich drauf \(^o^)

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5 Antworten zu [Unterwegs] Im Nogeyama-Tierpark

  1. nori schreibt:

    Brrrr…..wie ich die Tierhaltung in Japan hasse…
    Da lobe ich mir dann doch die deutschen Streichelzoos, denn an den Schafen und Ziegen können kleine Kinder nicht so viel kaputtmachen, und wenn sie nicht gestreichelt werden wollen, laufen sie eben weg. Außerdem sind deutsche Eltern ja doch meist ein bisschen mehr daran interessiert, ihren Kindern mal zu sagen: „Mach das nicht, das tut dem Tier weh!“

    Eure Tokai-Tour klingt toll! Eigentlich wollte ich ja letztes Jahr auch sowas machen, aber ich hatte niemanden, der mit mir hingefahren wäre, und so ganz allein da langgehen fand ich irgendwie nicht natsukashii, sondern eher potenzieller-Terrorist-oder-herrenloser-Landstreicher-ppoi. Am Ende hätten mich die Kitamon-Wachen noch vorsorglich wegen Fluchtgefahr erschossen.

    Habt ganz viel Spaß!

  2. nori schreibt:

    Da fällt mir ein: Bist du schonmal von Kei zum Hiratsuka-Bahnhof gelaufen?

    Ok, jetzt ist Winter, aaaaaber damals, als ich bei Caroline wohnen durfte, da bin ich ein paarmal von ihrer Wohnung ins Stadtzentrum gelaufen. (Eine Bahnstation) Das hat dann ca. 30 Minuten gedauert, aber war superschön. Man sieht was von der Stadt und bewegt sich ein bisschen (ok, Bewegung hast du bei deinem Programm auch genug) und 30 Minuten laufen ist ja jetzt auch nicht so viel mehr als einmal vom Thielplatz zur FU und wieder zurück. Ich finde, man macht sich manchmal zu abhängig von Bus und Bahn, und dann läuft man die Strecke mal ab und stellt fest, dass das garnicht so weit ist.

    Außerdem entdeckt man so die eine oder andere schöne Ecke 🙂

    Mich würde nur mal interessieren, wie lang man für die 10 Busminuten zu Fuß so braucht…

  3. Nagarazoku schreibt:

    Ja, wie laufen die Strecke öfters, als wir sie mit dem Bus zurücklegen – wenn wir es morgens nicht unbedingt eilig haben. Mit unserem Tempo brauchen wir dafür etwa 30 – 40 Minuten, allerdings ist der Weg unterwegs relativ unspektakulär … -.-‚ Aber so kann man das ein oder andere Busgeld sparen und für Bentoboxen ausgeben XD

  4. Ronja schreibt:

    Die armen Tiere!-_- Kann ich verstehen, dass du weggehen musstest! Aber du bist wie immer meine Heldin, da du alle Meerschweinchen gerettet hast! :-*

    Jaaaaa, die Tôkai Tour! Bitte macht, falls Kei mitgeht, ein paar Fotos von dir vor unseren Stationen! Grüß mir besonders den Daiei und unser Wohnheim! ^^

  5. Pingback: Mal wieder raus, bevor mir die Decke auf den Kopf fällt!!! « Ein Nagarazoku in Japan – 在日のナガラゾク

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