Oh, besinnliche Silvester-Zeit!

Ich hatte das Glück, Silvester und Neujahr in einer japanischen Familie und damit traditionell verbringen zu dürfen. Und das ist dann gleich mal ganz anders als Silvester bei uns in Europa, denn der Silvesterabend in Japan hat nichts mit Feuerwerk und Party zu tun, sondern wird ganz besinnlich und ruhig mit der Familie verbracht.

Der Abend des 31.12. wird als ōmisoka 大晦日 bezeichnet. Keis Familie hat diesen Tag zum Großteil noch mit dem sogenannten ōsōji 大掃除 , dem Großputz (so etwas wie unser Frühjahrputz ist) verbracht, vor dem ich mich mit einem Spaziergang zum nahegelegenen Strand drücken konnte 😛 Na ja, was heißt drücken, ich wollte helfen, durfte als Gast aber nicht XD Der Abend wurde dann mit Fernsehen und dem Essen von soba – Buchweizenudeln, die in ihrer Länge ein langes Leben symbolisieren sollen, daher sollte man sie auch ohne abzubeißen essen – verbracht. Einige Familien gehen im Anschluss noch für das Neujahrsgebet, hatsumōde 初詣, zu einem Schrein. Dort kann man dann auch die 108 Glockenschläge anhören, die kurz vor Mitternacht einsetzen und etwa eine Stunde lang dauern. Jeder Schlag steht für eine Begierde des Menschen, die durch den Glockenschlag ausgemerzt wird. Da sich in der Nähe von Keis Familienhaus ein Schrein befindet, brauchten wir dafür allerdings nicht mal die Wärme unseres Zimmer verlassen, sondern konnten sie uns an der geöffneten Verandatür anhören. Dann kann ich das neue Jahr ja sündenfrei begehen 😛

Am nächsten Tag sollte es extrafrüh aus dem Bett gehen, also ging es nach den Glockenschlägen auch schon in selbiges hinein. Nix mit bis 3 Uhr morgens feiern!

Die ersten Tage des neuens Jahres werden als ōshōgatsu 大正月 bezeichnet, der erste Tag des neuen Jahres als gantan 元旦. An diesem Tag trifft sich die Familie, um gemeinsam ein festgelegtes Essen, おせち料理 osechiryōri, zu sich zu nehmen, für das die Frauen der Familie meist stundenlang in der Küche stehen. Oder man macht es wie Keis Familie, pfeift auf den Stress in der Küche und bestellt Sushi XD

Unsere Frühstücksmittagsrunde (10 Uhr morgens Sushi, ey!) war vor allem bestimmt auch durch Bier auf nüchteren Magen sehr heiter. Viel dazu hat sicher auch der Opa meines Freundes beigetragen, der mir im kompliziertesten Japanisch komplizierteste Fragen stellte, woraufhin wild rumerklärt und auf dem elektronischen Wörterbuch eingetippt wurde ^^

Gegen 16.00 Uhr wollten wir uns dann auf Richtung Schrein machen und unser Neujahrsgebet ablegen (das kann man wohl machen, wann man will, muss nicht am 01.01. oder in der Nacht vom 31.12. sein), aber irgendwie hatte mein Magen das japanische Essen wohl nicht ganz so gut vertragen. Deshalb haben wir das dann auf den 04.01. verschoben. Und obwohl ich dann den restlichen Abend komplett ausgeknockt war, waren japanisches Silvester und Neujahr ein wirklich ein schönes Erlebnis.

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