Da tut der Arztbesuch schon weh bevor die Rechnung kommt…

Während des Fluges scheint sich Ronja eine Mittelohrentzündung eingefangen zu haben – ein ständiges Pochen im Ohr und ein sonst auch eher schwacher Gesundheitszustand ließen das jedenfalls vermuten. Daher haben Frau B. und ich sie gestern zum HNO-Arzt begleitet. Ein ziemlich furchtbares Erlebnis, wie sich herausstellte …

Privatsphäre kannte man in dieser Praxis im Höchstfall vom Hörensagen. Wir durften erst einmal in den großen Warteraum, der das Aussehen und den Charme einer Bahnhofs-Wartehalle hatte, und dort einen Zettel ausfüllen, bei dessen Anblick wir uns ohne Frau B.s Hilfe wahrscheinlich einfach heulend auf den Boden geworfen hätten. Da stand alles wirklich nur in Japanisch, und wer weiß schon was angeschwollen, pochend oder allergisch auf soundso heißt … Wir an diesem Tag jedenfalls noch nicht.

Nachdem Ronja und Frau B. den Zettel ausgefüllt hatten, mussten wir zum Glück nicht lange warten und wurden schon bald in den nächsten Raum gerufen. Und hier ging es dann los. Wir sollten uns dort auf eine Bank setzen und warten bis Ronja dran ist … und wir konnten von der Bank aus direkt in das gerade einmal drei Schritte entfernte Behandlungszimmer gucken. Wir und alle anderen wartenden Patienten. Nicht einmal der Vorhang war zugezogen. Man sah alles und man hörte alles. ALLE Leute, die vor dem Behandlungszimmer warteten, konnten verstehen, was der Patient, der gerade vom Arzt untersucht wird, denn da hat, warum er es hat, wie er es behandeln soll … Sogar der Bildschirm für die Kamera mit der Hals, Nase oder Ohren untersucht wurden, war ohne Probleme und Verrenkungen zu sehen. Privatsphäre Adé! „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben einen Tripper! Einen Augenblick, ich teile es den Leuten vor der Tür auch gleich mal mit!“

Ronja tat mir sooo Leid. Sie saß da auf diesem Stuhl, der Arzt fummelte an ihr herum und bombardierte sie mit einem Redeschwall auf Japanisch, der auf der Wartebank draußen bestimmt suuuper zu hören war. Dann gab es zur Unterhaltung der anderen Patienten Ronjas Innenohr für alle gut sichtbar auf dem Bildschirm – Ich wollte wirklich nicht mit ihr tauschen. Nachdem dann alle Untersuchungen abgeschlossen waren, bestätigte sich Ronjas Verdacht: Mittelohrentzündung! Mit einer Ladung Medikamente und der Aufforderung, in einer Woche noch mal vorbeizukommen (und das muss sie, in Japan werden Tabletten nur auf den Tag genau abgezählt ausgehändigt), gingen wir dann wieder nach Hause.

Ich wäre doch sehr dankbar, wenn meine Krankheiten warten würden, bis ich wieder in Deutschland bin. Bitte! Wenn alle Einrichtungen so sind wie diese heute, dann mag ich mir das hier nicht antun!

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