Könnt ihr nicht oder wollt ihr nicht? – Der Hinreise 1. Teil

Glücklicherweise verlief der Abschied weitaus weniger tränenreich als erwartet. Meine Familie brachte mich in aller Frühe zum Flughafen, wo wir uns dann noch eine Pause bei Starbucks gönnten bevor der Abschied kam. Dickes Küsschen noch mal an meine Familie: Hab euch alle lieb und werde euch vermissen!

Der Flug nach Japan hingegen hat mich einige Tränen gekostet. Bis nach Paris war ja noch alles in Ordnung – bis auf diesen einen Typen neben mir, doch zu dem später –, aber am Pariser Flughafen ging es dann los:

Als ich einchecken wollte, konnte ich meinen Reisepass nicht finden. Ich durchwühlte alle Taschen, Ronja durchwühlte ihre Taschen, aber er war nicht auffindbar. Anscheinend hatte ich ihn verloren. Na toll! Von den tausend Dingen, die ich hätte verlieren können, war dies das Einzige, was AUF GAR KEINEN FALL hätte wegkommen dürfen! Kein Reisepass = keine Einreise bzw. nicht einmal der Einstieg in das Flugzeug. Tabea und Simone sind dann los und suchten jemanden, der mir helfen konnte, denn ich war so aufgelöst, dass ich kurz vor einem Nervenzusammenbruch stand. Nachdem mehrere der „netten“ französischen Mitarbeiter anscheinend keine Lust hatten, mir zu helfen – „Dafür bin ich nicht zuständig!“ Ach so, gibt es einen Verlorener-Reisepass-Zuständigen??? – erklärte sich dann doch jemand bereit, sich der Sache anzunehmen. Nach 5 Minuten war der Pass aufgefunden. Anscheinend war er mir im Flugzeug nach Paris aus der Tasche gefallen. Wie? Kommen wir zurück zu meinem netten Sitznachbarn, Herrn Zappelphillip, der seinem Namen den ganzen Flug von Berlin nach Paris über alle Ehre machen musste. Der Höhepunkt war, als er ein ganzes Glas Wasser in meine Richtung verschüttete. Wohlwissend, dass ich elektrische Geräte mit mir herumschleppe, trat ich reflexartig meinen Rucksack aus seiner Reichweite – und dabei muss es passiert sein. Nun, der Reisepass war wieder da, aber damit ging der komplizierte Teil überhaupt erst los.

Wir befanden uns nämlich gefühlte 100 km von dem Terminal, an dem er gefunden worden war, entfernt und hatten nur noch eine halbe Stunde, um ihn zu holen. Ronja und ich rasten also los und schafften es innerhalb von etwa sieben Minuten zum Terminal. „Das schaffen wir!“, dachten wir da noch, doch da kam schon die nächste Hürde: Die Frau am Terminal konnte oder wollte – auf Grundlage ihres arroganten Blickes tippe ich übrigens auf zweitens – mit mir kein Englisch reden. Auf Französisch sagte sie mir nur immer wieder, dass sie mich nicht verstehen würde. Toll! Mein Französischunterricht ist einfach zu lange her, als dass ich das noch hinbekommen hätte. Irgendwie konnte ich ihr aber doch begreiflich machen, was ich von ihr wollte, nur mein Reisepass war NICHT an diesem Terminal. Ich musste noch einen Terminal weiter. Ich rannte also, was das Zeug hielt und hatte dank der Sprachprobleme wohl mindestens 10 Minuten verloren. Am anderen Terminal bekam ich den Reisepass dann zwar relativ schnell ausgehändigt, aber wir schafften es wirklich nur ganz knapp, unser Flugzeug noch zu erwischen. Kein Scherz: dreißig Sekunden später und man wäre ohne uns abgeflogen. Vielen Dank an die Reisenden, die uns ohne mit der Wimper zu zucken am Schaltern vorgelassen haben!

Ronja war kurz vor dem körperlichen Zusammenbruch und ich drauf und dran das gesamte Personal in Charles-de-Gaulle zu schlagen. Servicepersonal, das unwilliger die englische Sprache benutzt, ist mir wirklich noch nie untergekommen. Ich fand es schon im Flugzeug nach Paris sehr dreist, dass die Stewardessen uns ausnahmslos auf Französisch angesprochen haben – in einer Maschine, die von Deutschland aus losfliegt! Nur, wenn man sich komplett dumm gestellt hat, haben sie auch mal Englisch benutzt. Sie können es also, wollen bloß irgendwie nicht! Ich verstehe das nicht! Wenn ich mit meiner Familie mit der Fähre nach Schweden fahre, dann werden alle Ansagen und die Gespräche mit den Stewardessen in drei Sprachen abgehalten: der Sprache des Landes in dem das Schiff ablegt, der Sprache des Ziellandes und Englisch! Und so gehört sich das auch! Ich erwarte ja nicht mal Deutsch! Aber auf einem INTERNATIONALEN Flughafen sollte doch wirklich JEDER Englisch sprechen können. Hätte ich nicht wenigstens noch rudimentäres Französisch gekonnt, hätte ich meinen Flug auf jeden Fall verpasst! Für die Zukunft werde ich wohl nicht noch einmal über Charles-de-Gaulle fliegen… und/oder mir meinen Reisepass an die Arschbacken tackern!

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Eine Antwort zu Könnt ihr nicht oder wollt ihr nicht? – Der Hinreise 1. Teil

  1. Katja down under schreibt:

    boah, das is so typisch baguettefresser!!!! was soll ich dazu sagen?! ungloebsch!

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