Der 1. Tag in Japan (13.09.2007) – Achten Sie bitte darauf, zu achten!

Nach gefühlten 200 Stunden Flug kamen wir in Narita an. Netterweise hatten sich drei der japanischen Studenten, die im Februar diesen Jahres einen Kurzaustausch an die Humboldt-Universität wahrgenommen hatten und damit unter unserer Obhut standen, dazu bereit erklärt, uns abzuholen. Und sie waren pünktlich! o.O Ich hatte ja gehofft, ich hätte noch ein paar Minuten, um mich vor dem Treffen mit ihnen etwas frisch zu machen, aber nein. Sie sahen uns in einem bemitleidenswerten Zustand – übermüdet, durchgeschwitzt und einfach nur fertig – und waren selbst hellwach und superschick! Aber damit muss ich wohl leben, denn – wie sich mir später immer wieder zeigte – Japaner legen sehr viel Wert auf ihr Äußeres und selbst als topgestylte Deutsche kann man sich da mal ganz schnell wie der letzte Neandertaler fühlen (Nicht, dass ich mich zu den topgestylten Deutschen zählen würde *tralala*).

Mein Körper schrie nach Kaffee. Den bekam er auch! Ein heißer Kaffee in einer Dose! Das ist eines der Dinge, die ich sofort an Japan zu schätzen gelernt habe. Fast überall gibt es Getränkeautomaten, an denen man sich zu moderaten Preisen mit heißen und kalten Getränken eindecken kann. Der Kaffee war meine Rettung, denn wir mussten bis 10 Uhr auf den Bus warten und durch den Flug war ich absolut unfähig Japanisch zu sprechen, weil ich kurz vor dem Tiefschlaf. Aber der Kaffee machte mich ein wenig wach und befähigte mich, hier und da ein paar Sätze Japanisch auszupacken. Und so verging auch die Zeit…

Um 10 Uhr kam der Bus bepackt mit Frau B. und der für uns zuständigen Frau T. und brachte uns zur Uni. Dabei fuhren wir durch Tōkyōs Innenstadt und ich kann nur sagen: So etwas hab ich in meinen ganzen Leben noch nicht gesehen. Die Stadt erschlägt einen förmlich! Die Häuser sind so unglaublich gigantisch und alles wirkt wie ein einziges Chaos. Ganz ehrlich: ich war platt und irgendwie auch geschockt! Das muss ich mir bald mal aus der Nähe ansehen!

Die Tōkai-Universität liegt in Minamikaname 南金目 in der Stadt Hiratsuka 平塚市. Hier ist es sehr ländlich und vor allem grün. Was natürlich auch bedeutet, dass es von Zikaden und ähnlichem nur so wimmelt. Der Campus der Uni ist sehr groß und schön … groß ist auch das Wohnheim … nur schön? Von außen hat es den Charme einer Mietskaserne und das Thema wurde auch innen durchgesetzt. Die Zimmer sind zwar groß, aber wirklich nur mit dem Nötigsten eingerichtet und man muss es sich teilen. Und streng ist es hier! Das Erste, was mir aufgefallen ist, sind die unglaublichen vielen Hinweisschilder innerhalb des Wohnheims. An die 50 verschiedene hab ich schon gezählt. 50!!! Hier kommt nichts ohne Hinweisschild aus! Am Fernseher, an den Toiletten, den Duschen, den Flurwänden – überall wird einem gesagt, wie man was zu tun hat. Oder eben nicht zu tun hat. Es gibt hier doch tatsächlich eine Anleitung für die Toilette! Hier schreibt man wohl gerne vor, denn auch außerhalb des Wohnheims, auf dem Campus und in den Geschäften der Städte ist alles mit Hinweisschildern zugepflastert. Und nein, mit dem Toilettenschild Scherze ich nicht:

„Nach dem Benutzen der Toilette bitte spülen! * Bitte darauf achten, dass der Hebel wieder in seine Ausgangsposition zurückgeht * Wenn nicht, läuft das Wasser einfach so weiter“

Mein erster Gedanke jedenfalls, nachdem ich das Wohnheim gesehen habe, war: „Ich will nach Hause zu meiner Mami und zwar sofort!“ Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie ich hier 10 Monate verbringen sollte …

Aber viel Zeit zum Jammern hatte ich nicht, denn einige Studenten der Tōkai-Uni hatten netterweise ein kleines Willkommensessen für uns vorbereitet. Leider war ich nach inzwischen 24 Stunden ohne Schlaf zu absolut nichts mehr zu gebrauchen. Nachdem wir uns dann noch runter in die Stadt gequält hatten, um das Nötigste für den nächsten Tag zu besorgen, fiel ich am Abend um 22 Uhr – ja, um den Jet-Lag zu vermeiden bin ich bis dahin aufgeblieben, also etwa 30 Stunden lang! – einfach nur noch tot ins Bett.

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