Ja, lieber Institutsrat, Sie mich auch!

Anscheinend dreht das Institut für Asien- und Afrikawissenschaften nun vollkommen durch. Heute erfuhren meine Kommilitonen und ich, dass im Institutsrat des IAAW beschlossen wurde, für das kommende Wintersemester keine Studenten mehr in die ostasiatischen Bereiche zu immatrikulieren. Man will uns also abschaffen. Wie rechtskräftig das Ganze ist, sei dahingestellt, denn dieser Beschluss muss noch einige Instanzen durchlaufen. Unser Dozent meinte dazu jedoch recht trocken, dass diese Instanzen häufig auch Anträge genehmigen, ohne sie überhaupt gelesen zu haben. Wunderbar! Allein die Idee, aus einem Bachelor, der sich „Regionalstudien Asien/Afrika“ nennt, ganz Ostasien zu streichen, grenzt an Hohn. Wie schimpft sich denn der Bachelor anschließend? „Regionalstudien nicht-mehr-ganz-Asien/Afrika“? „Regionalstudien Afrika mit ein wenig Asien“? Oder wie unser Dozent so schön formulierte „Regionalstudien Rumpf-Asien/Afrika“? Für uns, die jetzt immatrikuliert sind, soll sich angeblich nichts ändert, doch das sehe ich noch nicht. Ein Studiengang, in den keine neuen Studenten mehr immatrikuliert werden, verliert ja quasi seine Existenzberichtigung. Die noch immatrikulierten Studenten werden ausgebildet, doch unter welchen Bedingungen? Eine Streichung neuer Studenten zieht doch quasi eine Streichung vorhandener Stellen nach sich, was bedeuten könnte, dass es bald nicht mehr möglich sein wird, in jedem seiner Module den Bereich Ostasien zu belegen. Und schon sitze ich in einem Seminar über Bewässerungsanlagen in Afrika! Wohl kaum! Ich kann es einfach nicht glauben, dass sich erwachsene und vor allem studierte Menschen so benehmen. Das ist schlimmer als im Kindergarten. Der Bereich Ostasien wird schon fast öffentlich gemobbt, und besonders die Sinologie durfte das mit gerade einmal zwei Semesterwochenstunden Sprache und genau einer einzigen Vorlesung zu China schon im letzten Semester in aller Härte erfahren. Ganz ehrlich: es kotzt mich an! Die Leute in den entscheidenden Positionen scheinen alle offensichtlich nicht zu merken, dass sie ihre internen Streitereien auf dem Rücken der Studenten austragen. Und auch auf Kosten ihres Rufes. Wie berechtigt erscheint ein Institut, das die zwei wichtigsten Wirtschaftspartner einfach mal so über den Rand fallen lässt? Klar, wer braucht schon Japan und China? Die Tibetologie, da liegt die Zukunft! Wenn ich ’ne Bombe hätte, ich wüsste genau, wo sie demnächst explodieren würde! Und unsere Dozenten schwelgen derzeit in ihrem absoluten Optimismus, dass sicher doch noch alles irgendwann gut gehen wird. Ja, gut geht es vielleicht irgendwann, fragt sich bloß für wen!

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