Der Kakegawa-Vogelpark

Wenn es für Ausflüge mal etwas weiter weg gehen soll als Kanagawa und Umgebung, haben wir zwei Möglichkeiten: lange und meist recht treure Zugfahrten oder Ausflug mit Schwiegereltern. Und vor ein paar Wochen unternahmen wir nach langer Zeit mal wieder genau so einen. Es ging in die Präfektur Shizuoka 静岡県 in den dort gelegenen Kakegawa-Vogelpark, kakegawa kachōen 掛川花鳥園.

Wie der Name dem Japanischkundigem verrät, handelt es sich dabei um eine Anlage, bei der sich alles um Vögel und Blumen dreht, wobei die Vögel eindeutig überwogen haben. Die Einrichtung ist so angelegt, dass der Großteil der Vögel sich frei bewegen und man als Besucher mit ihnen interagieren kann, ohne ihnen auf die Pelle rücken zu können. Ich sage “der Großteil”, weil das leider auf die Eulen nicht zutraf. Aber von Anfang an!

Im Hochsommer sollte man, wenn man hitzeempfindlich ist, einen Besuch vielleicht eher vermeiden. Über die Hälfte der Anlage erstreckt sich unter der prallen Sonne und auch der Rest ist nur unwesentlich leicht gekühlt. Ich habe Bäche geschwitzt! Mit 1050¥ ist der Eintritt für japanische Verhältnisse aber sehr günstig und alle Bereiche sind behindertengerecht! Das ist in Japan keine Selbstverständlichkeit und ist mir daher gleich positiv aufgefallen.

Die eher jedem bekannten Vogelarten sind in den Außengehegen untergebracht und können alle mit im Park für 100¥ pro Becher erstandenem Futter gefüttert werden. Bei den Emus konnte man sogar ins Gehege rein, aber für die war ich absolut nicht mutig genug! Dschungelprüfungen hinterlassen doch ihre Spuren :P

Die Enten waren so an das Füttern durch die Besucher gewöhnt, dass sie mit einem mitliefen und an den Schnürsenkeln zogen, bis man ihnen was gab XD Ich frage mich, wie die Pfleger so die Übersicht über die tägliche Futteraufnahme behalten können, aber keines der Tiere sah fett oder unterernährt aus. Was auch immer sie tun, es scheint zu funktionieren.

Die Pelikane konnte man für 500¥ pro Becher mit Fischen füttern. Das fand ich wieder ein wenig verantwortungslos, denn soweit ich weiß, müssen die Pelikane die Fische auf eine bestimmte Art gereicht bekommen, wenn sie aus der Hand gefüttert werden – Kopf des Fisches zuerst – ansonsten besteht Erstickungsgefahr. Es stand zwar eine detaillierte Anleitung zum Füttern der Pelikane neben der Fischbox, aber hält das die Leute wirklich vom Dummsein ab?

Das ERSTE Mal, dass ich früh genug dran war, um einen Lotos, auf Japanisch ren 蓮, in voller Blüte zu sehen!

Die exotischeren Vögel sind alle innerhalb der Anlage in verschiedenen betretbaren Volieren untergebracht. Auch hier kann man wieder jeweils Futter erstehen, welches die Vögel einem freudestrahlend aus der Hand fressen.

Armschutz? Brauch ich nicht! Und jetzt her mit dem Fressen!

Ja, hier versucht gerade jemand eine Pfauenfeder zu stibitzen!

In der Halle streckte sich in der Mitte eine Art See, in dem man viele Fische beobachten konnte und auf dem sich auch eine Menge Pflanzen wohlfühlten. Ich persönlich fand die Anlage sehr, sehr schön aufgemacht. Kinder konnten sich sogar auf eines der riesigen Seerosenblätter setzen und ein Photo von sich machen lassen!

Über den Tag verteilt gibt es – leider teilweise zur gleichen Zeit – verschiedene Shows und andere Events. Flugshows mit Falken und Eulen, Photos zusammen mit Eulen oder Pinguinen – für letzteres muss man allerdings am Morgen Glück haben und eine der 40 Gruppen sein, die zu ihrem Ticket eine Fotoerlaubnis für das Fotoshooting mit den Pinguinen erhalten. Dank der extrem frühen Abfahrtszeit, die Schwiegereltern mal wieder festgelegt hatten, waren wir eine dieser Gruppen! Allerdings war das Ganze dann doch etwas anders, als ich mir vorgestellt hatte. Die Pinguine waren wenig an Menschen gewöhnt, man durfte sich nicht bewegen und nicht zu weit runterbeugen, weil sie einen sonst in die Nase beißen und mein Pinguin hätte mir fast den Zeigefinger abgebissen :P

Der Eintrag ist schon sehr lang, aber ich muss trotzdem auch zu meinem Kritikpunkt kommen: Die Eulen. Ich hatte mich auf die Eulen am meisten gefreut, hätte es aber wissen müssen. Während die anderen Vögel frei durch ihre Volieren fliegen konnten, waren die Eulen entweder in Glasvolieren untergebracht, die nicht gerade viel Platz zum Fliegen boten …

… oder waren an verschiedenen Orten in der Anlage festgebunden, damit man einen guten Blick auf sie hatte.

Ich kann ja verstehen, dass man die Eulen nicht einfach so herumfliegen lassen kann, wie die anderen Vögel, weil sie a) wahrscheinlich die anderen Vögel und auch sich untereinander angreifen würden, und b) sich wahrscheinlich so versteckt halten würden, dass der Besucher sie nicht zu Gesicht bekommen würden. Aber gerade im Vergleich zu den anderen frei in den Volieren herumfliegenden Vögeln, haben mir besonders die  hatte angebundenen Eulen doch sehr leid getan. Man weiß ja auch nicht, wie lange am Tag die da sitzen müssen. Bleibt nur zu hoffen, dass sie wenigstens nach ein paar wenigen Stunden ausgetauscht werden und abends, wenn keine Besucher mehr da sind, in getrennten Gruppen doch ein paar Runden durch die weitläufigeren Teile der Volieren drehen dürfen …

Trotz dieses Wermutstropfens hatten wir einen sehr schönen Tag dort und es gibt in der Anlage definitiv noch mehr zu entdecken, als ich auf diesem Blog hier in einem leserfreundlichem Rahmen vorstellen kann!

Name: 掛川花鳥園 (Kakegawa Kachōen)
Adresse: 〒436-0024 静岡県掛川市南西郷1517 (Shizuoka-ken, Kakegawa-shi, Minamisaigō 1517)
Eintritt: 1050¥ (Erwachsene), 900¥ (Kinder)
Öffnungszeiten: Wochentags 9:00 – 16:30; Wochenende und Feiertags 9:00 – 17:00
Homepage: http://k-hana-tori.com/

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Angel dir deinen Nachtisch!

Die normalen Greifautomaten mit den Plüschtieren kennt man ja und die gibt es natürlich auch in Japan, aber hier in Yokohama hat sich eine Pâtisserie jetzt gedacht: “Wieso nicht auch mit Kuchen?”, und hat diese Greifautomaten aufgestellt:

 

Ein Automat, an dem man versuchen kann, Kuchen zu angeln! Die Preise liegen zwischen 200 und 300¥. Erfolgsquote? Ich nehme mal an, wie an jedem anderen Greifautomaten auch ^^; Man angelt natürlich nicht nach echten Kuchenstücken, sondern nach Plastikreplika, die man dann, sollte man erfolgreich sein, gegen ein echtes Stück Kuchen eintauschen kann.

Selbiges kann man vor Ort an den bereitgestellten Tischen noch verspeisen oder es sich zum Mitnehmen einpacken lassen. Na dann mal viel Glück! XD

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Und erneut: ein Abschied

Es ist der Abschied, mit dem ich vielleicht am längsten gerechnet habe. Er hat mich trotzdem nicht weniger hart getroffen wie der von Maru und Kira im letzten Jahr und Tetsu Anfang dieses Jahres. Mein Yorkshire Terrier Rocky wurde gestern beim Tierarzt eingeschläfert.

2009.08.2017 Jahre gehörte er in meine Familie. Ich war 12, als meine Eltern ihn als Überraschung für ihre beiden “Biiiiitttttteeeeeeeeee, wir wollen einen Hund und dann auch NIE WIEDER WAS ANDERES!!!!”-Quengeltöchter kauften. Seitdem war Rocky überall dabei. Ein Energiebündel bis ins hohe Alter, begleitete er uns auch viele Jahre mit in unsere Norwegenurlaube und zeigte beim Bergsteigen, dass “Schoßhund” schon mal gar nicht die richtige Bezeichnung für ihn war. Mit dem Alter wurde er ruhiger, gegen Ende schlief und fraß er fast nur noch. Selbst seine über alles geliebten Spaziergänge machten ihm nicht mehr richtig Spaß. Zum Schluss war er einfach nur noch krank.

Jetzt muss ich mich erstmal von den ganzen Verlusten wieder aufrappeln. Das ist es leider mit den Haustieren: Man holt sich viel Freude und Liebe ins Haus – aber dann muss man sie irgendwann gehen lassen. Und egal, wie alt sie an diesem Tag sind, es ist eines der furchtbarsten Gefühle auf der Welt.

Ich war heute auf Arbeit – Was soll ich auch Zuhause rumsitzen, wo ich einfach keine richtige Ablekung finden werde? – aber der ganze Tag fiel mir ziemlich schwer. Die Zeit heilt alle Wunden, aber wenn ich im Dezember meine Eltern besuche und mir kein Rocky aus dem Wohnzimmer entgegen getappelt kommt, wird das noch einmal sehr, sehr hart werden …


Leb wohl, mein kleiner Liebling!


Viel Spaß mit Kira im Hundehimmel :) Und vielleicht …

 

 

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Der Ueno Kōen

Nachdem die Captain-Tsubasa-Ausstellung doch etwas kürzer war als vorher gedacht, spazierten Kei und ich im Anschluss noch ein wenig durch den Ueno Kōen 上野公園, dem Ueno-Park. Auch hier war ich natürlich in all meinen Jahren in Japan schon mal: einmal während meines Austauschjahrs an die Tōkai-Uni nach einem kabuki-Besuch und einmal 2011, wo ich dann den Ueno-Tierpark gleich auch mit angeguckt hab. Der Ueno Kōen lohnt eigentlich immer, egal ob man mit Schwanbooten auf dem See herumfahren, Straßenkünstlern zusehen, Lotus-Blumen angucken,



(Ich gebe zu, dass man für die volle Blüte wahrscheinlich etwas früher am Morgen hin müsste :P)

Kirschblütenschau betreiben,


(Ich war zur Kirschblütenzeit noch nie in Ueno, that is as close as I can get XD)

Schreine und Tempel und anderes besichtigen

oder Straßenkatzen und Krähen angucken will.

Ach ja, und den Tierpark gibt’s da ja auch ;)

Mein Lieblingsplatz ist die Ansammlung von Schreinen nach der langen Reihe von orangeroten torii 鳥居 (Tor). Warum auch immer sind da so gut wie nie andere Leute an diesem idyllischen Örtchen. Ich habe ihn aber bisher auch auf keiner der Karten des Ueno Kōen finden können – geheimnisvoll :P

Also ja, der Ueno Kōen ist toll! Geht ihn besuchen, wenn ihr Zeit habt! Aber vielleicht nicht bei dieser Hitze … Nein, nein, definitiv nicht bei dieser Hitze! Wartet auf den Herbst! Japanischer Herbst ist mit die tollste Jahreszeit!

 

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Und dann beginnt man zu grübeln …

Der Oberste Gerichtshof in Japan hat gesprochen: Wer als Ausländer in Japan lebt, hat keinen Anspruch auf Sozialhilfe, selbst mit permanent residence visa nicht. Damit wurde zum ersten Mal eine klare Grenze gezogen in einem Bereich in dem es bisher eine große Grauzone gab und es oft vom jeweiligen Bearbeiter abhing, ob man Sozialhilfe erhalten konnte oder nicht. Man kann natürlich trotzdem versuchen, es zu beantragen, aber ab jetzt muss man wohl leider recht fest mit einer Ablehnung rechnen.

Was man dagegen tun kann? Japaner werden! Tja, aber das ist 1. gar nicht mal so einfach, und man muss dafür 2. seine Staatsbürgerschaft aufgeben, da Japan keine doppelte Staatsbürgerschaft akzeptiert. Ab jetzt nur noch mit Tourivisum, wenn man die Eltern besuchen will? Während mir der Gedanke, quasi Ausländer in meiner eigenen Heimat zu sein, nur Unwohlsein bereitet, würde das für einige gerade chinesische Einwanderer in Japan bedeuten, ihre Familien nie wiedersehen zu können. Und was, wenn man dann doch wieder in seinem Geburtsland leben und arbeiten will? Kann man seine frühere Staatsbürgerschaft einfach mal schnell wieder annehmen?

Das Ganze regt besonders auf, wenn man bedenkt, dass die meisten Ausländer, die hier leben und arbeiten, genauso Steuern zahlen wie jeder Japaner. Und keinen Yen weniger. Ich kann mir auch nicht aussuchen, ob ich Steuern zahlen will oder nicht, da sie direkt von meinem Gehalt abgezogen werden. Ich zahle also monatlich einen nicht unbeträchtlichen Teil meines Gehaltes in ein System, das ich dann im Fall der Fälle nicht nutzen darf.

Und hier zeigt sich wieder, wovon in Japan ausgegangen sind: Wir Ausländer sind nicht hier, um zu bleiben. Wir arbeiten hier, aber irgendwann kehren wir doch wieder in unser eigenes Land zurück. Und genau darauf ist dieses System ausgelegt. Wozu Sozialhilfe für Ausländer, wenn sie wieder in ihr Land zurückzukehren haben, sobald sie hier nicht mehr arbeiten? Und das sind Entwicklungen, bei denen mir immer wieder die eine Frage im Kopf herumschwirrt: Wie lange will ich wirklich in Japan bleiben? Das ist schade, ich bin doch eigentlich sehr gern hier …

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♪ Keiner kann ihn bremsen, keiner macht ihm was vor … ♫

In Japan ist man gerne nostalgisch, aber auf so eine unbeschwerte “Hach, war das alles schön”-Art und Weise. Das japanische Wort dafür ist 懐かしい natsukashii, ein Adjektiv, das sich irgendwie nicht so richtig ins Deutsche übersetzen lässt. Deshalb benutzen es viele Leute, die Japanisch gelernt haben, einfach so unübersetzt. Ich auch. “Ach, das war aber natsukashii!” ist ein Satz, den man nicht selten von mir hört :P

Besonders, was meine Kindheitserinnerungen in Sachen Fernsehprogramm angehen, kann ich mich in Japan sehr oft natsukashii fühlen. Vor 2 Jahren (Oh Gott, so lange ist das schon wieder her???) z.B. als ich dank Tabea zur Lady Oscar-Ausstellung in der Ginza konnte. Pünktlich zur WM dann habe ich vor 3 Wochen auf einer Ausstellung in Ueno einem weiteren meiner damals so heißgeliebten Anime huldigen können: “Captain Tsubasa”, oder wie er im deutschen Fernsehen hieß: “Die tollen Fußballstars” – NEIN, was für ein kreativer Titel XD

Ich weiß gar nicht mehr, wo ich von der Ausstellung gelesen hatte, aber kaum wusste ich davon, waren die Tickets gekauft – Kei musste mit, obwohl er weder Manga noch Anime kannte, der Banause :P Und so wandelte er zwar interessiert aber doch etwas planlos neben mir her, die mit viel “Aaaaah, guck mal, das ist aus der und der Szene” zwischen den Exponanten hin und her lief XD Letztendlich war die Ausstellung mehr über den Manga als über den Anime, aber die beiden unterscheiden sich ja nur unwesentlich voneinander.

 

Man hatte sich die Mühe gemacht, ein kleines Modell der Stadt Nankatsu anzufertigen mit all den wichtigen Plätzen und Gebäuden, wie der Schule, dem Haus von Tsubasa, dem Fußballplatz, dem Bahnübergang, an dem sich die Jungs heldenhaft den Ball unter der Bahn zugespielt haben :P und, und, und …

Der Schreibtisch, an dem der Manga entstand. Diese Klapperkiste erinnert mich doch ziemlich stark an die Schreibtische, die wir im Wohnheim der Tōkai-Uni hatten – praktisch und sonst nix!

Was auf der Ausstellung eigentlich am interessantesten war, aber leider nicht fotografiert werden durfte (und da standen Aufpasser aufmerksam wie die Wachhunde rum), waren Originalzeichnungen des Manga. Einzelne Szenen, ganze Kapitel, viele Illustrationen, ausgefeilte Charakterbeschreibungen … Mir ist erneut wieder aufgefallen, wie unglaublich toll ich das bei den alten Anime fand, dass die Charakter auch optisch altern. Bei Lady Oscar war es so, bei Captain Tsubasa auch. Das hat man heute nicht mehr oft bei Manga und Anime, selbst wenn die storytechnisch ein paar Jahre abdecken. Beweis?

Tsubasa im ersten Manga (rechts) und Tsubasa ein paar Jahre später.

Oscar und Antoinette oben links im ersten Manga und in der Mitte und rechts ein paar Jahre später.

Was man an den Originalzeichnungen noch gut erkennen konnte: der Mangaka Yōichi Takahashi 高橋 陽一 hat gerne mit Kaffee gekleckert XD Na, da musste dann am Ende wohl eine Menge rausgeweißt werden :P

Was übrigens auch nicht fehlen durfte: die internationalen gegnerischen Mannschaften und ihre jeweiligen Topspieler. Und hier habe ich dann doch dreist ein paar Schnappschüsse gemacht, es war einfach zu lustig:

Karl Heinz Schneider – einen NOCH deutscheren Namen gab es wohl nicht! Natürlich sprachen die alle fließend Japanisch, man musste sich auf dem Spielfeld ja irgendwie dramatisch miteinander unterhalten :P Der Topspieler der argentinischen Mannschaft war übrigens eins zu eins Maradona nachempfunden, da gibt’s nichts zu leugnen!

Leider war man nach rund einer halben Stunde schon durch die Ausstellung durch und die Shoppingecke war mehr als lächerlich, dabei hätte ich mir doch sehr gerne eines dieser Trikots besorgt:

Leider gab es die nicht zum Verkauf oder sie waren schon aus verkauft. Tja, dann eben nicht! Ich durfte den megaschweren schwarzen Ball anheben, mit dem Hyūga gelernt hat, Löcher in Betonwände zu schießen, mir konnte nichts den Tag verderben :P

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Ein Kurztrip nach Matsumoto

Dann will ich zwischen all die Meckereinträge doch auch mal was Schönes schieben :D

Letztes Jahr hatten Kei und ich so eine wunderschöne Zeit an unserem Wochenende in Nikkō, dass wir uns auch dieses Jahr wieder einen Kurzurlaub gönnen wollten. Und da wir letztes Jahr so viel Glück mit dem Wetter hatten, haben wir uns auch dieses Mal wieder für mein Geburtstagswochenende entschieden :3 Ziel: die Stadt Matsumoto, 松本市, in der Präfektur Nagano, 長野県. Aber zumindest zu Anfang sollte der Trip mal gar nicht so reibungslos ablaufen …

Da ich noch im Probehalbjahr bin und mir nur 3 Urlaubstage zustehen, konnte ich mir dieses Mal leider nicht den Freitag freinehmen. Dabei sind 3-Tages-Trips doch so toll! Man kommt Freitag Abend an und den gesamten Samstag und vielleicht sogar noch mehr als den halben Sonntag hat man Zeit für Sightseeing. Also überlegten wir, einfach trotzdem Freitag Abend nach der Arbeit loszufahren. Kei würde ein wenig früher Schluss machen, ich so wie immer, und gegen 20.30 Uhr würden wir im Spätbus Richtung Nagano sitzen. Klasse Plan! … Nur leider hatten wir die Rechnung ohne die Odakyū-Linie gemacht. Ich werde hier demnächst wohl mal einen gesonderten Eintrag über meine Hassliebe mit der Odakyū verfassen, daher nur so viel: Mindestens alle 2 Wochen gibt es eine richtig fette Verspätung auf der Linie. Und damit meine ich nicht 30 Minuten oder so was. 3stündige Verspätungen, die meistens auch noch den gesamten Verkehr am nächsten Tag lahmlegen. Und an meinem Geburtstag in diesem Jahr war es mal wieder so weit. Ich weiß gar nicht mehr, was dir Ursache war, aber Kei steckte für Stunden in der Bahn nach Shinjuku fest. Und ich damit auf Arbeit. Ja, als wäre es noch schlimm genug seinen Geburtstag auf Arbeit zu verbringen müssen, nein. Während um mich herum alle langsam nach Hause gingen und ich allein über meiner årbeit hocken blieb, schien immer mehr klar zu werden: Das wird heute nichts mehr mit Nagano. Kei cancelte den Bus. Aber tja, was nun? Kei kam nicht nach Shinjuku, ich aber auch nicht nach Hause. Danke Odakyū, dass ich mich an meinem Geburtstag für ein paar Minuten fühlen durfte, wie die Eiskunstläuferin aus der Yes-Törtchen-Werbung :P

Ich glaube, es war 21 Uhr, als Kei in Shinjuku ankam. Gut, dass er den Bus gecancelt hatte. 3 Stunden hat er für einen sonst 40minütigen Weg gebraucht O_o Aber wir hatten Glück! Wir fanden eine Bahn, die uns zwar das doppelte kostete, wie der Bus, aber uns auch doppelt so schnell noch an diesem Abend nach Nagano brachte. Sitzplatzgarantie! Fantastisch! Schnell noch ein bentō am Bahnhof gekauft und dann doch noch ab nach Nagano!

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Um Mitternacht kamen wir fix und fertig in unserem Hotelzimmer an …

Matsumoto liegt vergleichsweise hoch und war dadurch im Vergleich zu Tōkyō kühler und weniger luftfeucht. Abends hab ich sogar eine Jacke gebraucht! Entschieden hatten wir uns für diese Stadt vor allem für das Sightseeing und weil Kei irgendwo gelesen hat, dass sich hier vergleichsweise wenige Touristen herumtreiben. Und es war in der Tat für ein Wochenende angenehm leer! Aber erst einmal mussten wir uns aus dem Ort, in dem unser Hotel für die erste Nacht lag (Ja, wir haben laut Kei aus Kostengründen ein Mal das Hotel gewechselt :P ) ins Stadtzentrum durchschlagen … zu Fuß … und Gott hat das gedauert! Was ich den Abend davor im Bus nämlich gar nicht bemerkte, war, wie weit draußen und fast schon ländlich unser Hotel lag XD Aber das Wetter war angenehm und hielt sich zum Glück auch das ganze Wochenende, obwohl heftiger Regen angesagt war! Wolken hatten wir trotzdem viele, so dass wir keinen einzigen der Berge sehen konnten, die Matsumoto umgeben. Das war ein wenig schade. Aber gut, auf in die Stadt.

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Vorbei an Unmengen von Reisfeldern. Ich glaube, zu jedem Haus dort gehörte wenigstens ein Reisfeld. Ach ja, und falls ihr euch je gefragt habt, woran man das Haus eines Yakuza erkennt:

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Traditionell japanische, jedoch sehr verschlossene Bauweise, Familienwappen und ein fetter Mercedes in der halboffenen Garage, damit ihn auch jeder sehen kann, sind ziemlich untrügliche Zeichen für eins :P

Nachdem wir unser Gepäck im neuen Hotel abgestellt hatten, machten wir uns auf den Weg zu unserem ersten Ziel: die Matsumoto-Burg, 松本城 Matsumotojō.

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Auf dem Weg dorthin kamen wir durch eine Straße, die eindeutig absolut auf Touristen ausgelegt war, aber mit ihrem altjapanischem Flair und den vielen kleinen Shop, die alles mögliche verkauften, wirklich was hatte.

Die Namensstempel, hankō 判子, hier hätten mich ja schon interessiert, die waren aber nicht nur ab 5000¥ (ganz doll gerundet 50€) aufwärts, sondern man musste auch rund 10 Tage auf sie warten. Schade!

So, kommen wir zum Matsumotojō. Ich habe es vorhin bewusst mit Burg und nicht mit Schloss übersetzt, denn im deutsche  Verständnis wäre dieses ausschließlich zur Verteidigung ausgerichtete Gebäude eine Burg. Für rund 600¥ pro erwachsener Nase darf man die Burg und die umliegende Parkanlage dann betreten.

Wie eigentlich fast immer war das Innere der Burg eine Ausstellung. In diesem Fall alles rund um die damalige Kriegsführung. Waffen, Rüstungen, Erklärungen … Für mich hatte das Matsumotojō einige der bisher interessantesten Ausstellungsstücke. Zudem durfte man Photos machen, überall! Das ist selten! Nur die Steinabwurfluken Steine runterwerfen, das durfte man leider nicht :P

Die Treppen im Schloss waren übrigens mörderisch! Rutschig und teilweise im 90 Grad-Winkel! Hin und wieder hat meine Beinlänge gerade so ausgereicht, um zur nächsten Stufe zu kommen! Einige Japanerinnen mussten ein paar cm quasi im Flug hinlegen. Das ist besonders faszinierend, wenn man bedenkt, dass hier früher Männer in schweren Samurairüstungen durch die Etagen geflitzt sind! Na wenn sich da mal nicht ein paar von denen das Genick dabei gebrochen haben …

Im Dachgeschoss mussten wir erstmal ein wenig zu Atem kommen, bevor wir uns an den Abstieg machen konnten. Der Himmel zog sich langsam bedrohlich zu, aber wie erwähnt hatten wir das ganze Wochenende über wirklich mehr als Glück mit dem Wetter! Der Regen wartete, bis wir zurück im Hotel waren :D

Wir wollten noch ein wenig was von der Umgebung sehen und weil wir keinen Bock auf stressige Bus- und Bahnfahrten hatten – immerhin wollten wir uns ja erholen – liehen wir uns wieder ein Auto. Ich habe mir noch nie ein Auto in Deutschland geliehen, deshalb kann ich gar keine Vergleiche anstellen, aber in Japan ist das wunderschön unproblematisch und meistens kann man für rund 7000¥ (schlecht umgerechnet etwa 70€ :P) inklusive Versicherung und vollem Tank das Auto den gesamten Tag lang nutzen.

Erstes Ziel: ein Fußonsen (o^^o) Ja, ihr habt richtig gelesen: ein onsen 温泉, also eine Thermalquelle, nur für Füße! Und Gott, hat die guuuuut getan! Ich wollte gar nicht mehr raus! … Na ja, so lange, bis ein riesiger Mückenbock auf dem Wasser landete, das onsen war nämlich nicht überdacht :P

Das war aber übrigens nicht mein erstes Mal Fußonsen XD Daher war es ein kleines Stück natsukashii, Mädels ;)

In der Nähe vom Fußonsen gab es noch einen Schrein, an dem wir uns extra Mädels- und Jungshoroskope geholt haben! Männer und Frauen sind sooo anders, da müssen ganz andere Horoskope her :P Meins war spitzenmäßig, 大吉 daikichi, Keis musste seins am Schrein lassen :P

Wir besuchten dann noch das “Schweizer Dorf”, das スイス村, … welches absolut und überhaupt gar nichts mit der Schweiz zu tun hatte! Ganz ehrlich, fetter Reinfall! Haltet euch von dort fern! Außer ihr wollte Mitbringsel kaufen … oder euch im Streichelgehege von einer gierigen Ziege fast den Unterarm auskugeln lassen … aber ansonsten lohnt es sicht nicht :P

Wir fuhren noch ein wenig in der Gegend umher und genossen den Ausblick und die Ruhe, bevor wir dann am Abend das Auto zurückbrachten und uns zum Abendessen begaben. Unser Hotel hatte ein eigenes izakaya 居酒屋 und da ging es dann lecker japanisch essen und saufen :3

Und damit war unser Kurztrip auch sch0n wieder rum. Hier auf dem Blog wirkt es gar nicht so, aber wir haben echt viel an diesem Wochenende gesehen und erlebt, waren aber Sonntag trotzdem nicht zu fertig. So brauche ich meine Wochenendausflüge, wenn ich am Montag schon wieder zur Arbeit muss :D

 

 

 

 

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